| Cornelia Dölger |
| 08.05.2026 09:00 Uhr |
In Deutschland gebe es bereits spezialisierte Anbieter im Markt, die eine GDP-konforme Zustellung gewährleisteten. Dass sie dennoch im deutschen Versandhandel infrage gestellt werde, liege an den Kosten, vor denen man sich scheue. »Hier prallen zwei Systeme aufeinander: ein auf Patientensicherheit ausgerichtetes Gesundheitssystem – und ein Plattformmodell, das auf maximale Skalierung und minimale Kosten setzt«, so Bühler.
Die Logistiker hatten das Kostenargument selbst gegenüber der EU-Kommission vorgetragen. DHL warnte, den Dienstleistern würden mit den geplanten Verschärfungen Verantwortlichkeiten aufgebürdet, die mit deren Rolle und Fähigkeiten nicht vereinbar seien. Es drohten erhebliche Kostensteigerungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Die Kritik verfing offenbar in Brüssel – denn die EU-Kommission sprach sich in besagter Stellungnahme gegen die strengeren Auflagen aus: Es könne nicht erwartet werden, dass ein Transportunternehmer die Temperatur für jede einzelne Packung eines Arzneimittels überwacht und aufzeichnet.
In Österreich hat sich die Post derweil freiwillig der flächendeckenden Kontrolle unterworfen, wie ein Sprecher des Unternehmens zur PZ sagte. Das Unternehmen habe sein gesamtes Logistiksystem zertifizieren lassen, damit würden alle Arzneimittelpakete, die mit der Österreichischen Post verschickt werden, GDP-konform transportiert und zugestellt. Bei den Versandkundinnen und -kunden bestehe der Wunsch nach einer GDP-Zertifizierung.
Mit Blick auf das Nachbarland ist es für Bühler noch unverständlicher, warum hierzulande solche Bestrebungen ausgebremst werden. Die Rolle der EU-Kommission hält Bühler dabei für »brisant«. Er sagt: »Dass ausgerechnet sie den GDP-konformen Versand als ›unzumutbar‹ und ›übers Ziel hinausschießend‹ einstuft, sendet ein fatales Signal.«
Entlang der gesamten Lieferkette gelte ein »kompromissloser Standard: Vom Hersteller über den pharmazeutischen Großhandel bis zur Apotheke und den Botendienst müssen Arzneimittel streng nach GDP transportiert werden – inklusive aufwendiger Stabilitätsnachweise«. Daher sei es »völlig widersinnig, höchste Anforderungen bis zur Apothekentür zu verlangen – und sie dann auf den letzten Metern zum Patienten aufzuweichen«.