| Theo Dingermann |
| 20.03.2026 09:00 Uhr |
Ein Anti-Aging-Effekt nutzt wenig, wenn die Myelinscheiden der Nervenzellen darunter leiden. / © Getty Images/vipman4
Eine in der Anti-Aging-Forschung häufig verwendete Kombination zweier bekannter Wirkstoffe verursacht bei Mäusen Hirnschäden. Das berichten Forschende um Evan R. Lombardoa vom Department of Neuroscience der University of Connecticut School of Medicine in Farmington, USA, in einer Publikation, die jetzt in der Fachzeitschrift »Proceedings oft he National Academy of Sciences USA (PNAS)« erschien.
Ausgangspunkt für die Arbeit war die Beobachtung, dass zelluläre Seneszenz zur Pathogenese und Progression der Multiplen Sklerose (MS) beiträgt und dass senolytische Strategien, insbesondere die Kombination aus Dasatinib und Quercetin (D+Q), eventuell als potenziell krankheitsmodifizierend eingestuft werden könnten. Die Beobachtungen, die die Forschenden machten, gehen allerdings deutlich über einen D+Q-Einsatz bei einer Multiplen Sklerose hinaus.
Denn in einem kombinierten In-vivo- und In-vitro-Ansatz zeigen die Autoren, dass die wiederholte Gabe von D+Q sowohl bei jungen als auch bei alten Mäusen zu einer ausgeprägten Demyelinisierung im Corpus callosum führt.
Dies belegen elektronenmikroskopische Analysen. Hier ließ sich zeigen, dass nach einer wiederholten D+Q-Gabe eine signifikante Erhöhung des g-Verhältnisses (g-Ratio) erkennbar war. Der g-Ratio beschreibt das Verhältnis zwischen dem inneren Axonradius und dem äußeren Radius der das Axon umgebenden Myelinscheide. Dieses Verhältnis ist damit ein Grad für die Myelinisierung von Nervenfasern. Eine g-Ratio-Erhöhung ist somit Ausdruck einer reduzierten Myelindicke.
Zudem zeigen histologische Färbungen eine regionale Spezifität der Schädigung. Diese Schädigungen treten demnach vor allem im rostralen, das heißt an der Kopfvorderseite gelegenen Anteil des Corpus callosum auf. Bemerkenswert ist zudem, dass diese strukturellen Veränderungen unabhängig vom Alter auftraten und nicht durch Veränderungen der Axondurchmesser erklärbar sind.