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Antibiotika-Trockensäfte

Die wichtigsten Fallstricke bei der Zubereitung

»Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen die Patienten Trockensäfte selbst zubereiten müssen, dabei sind sie das Paradebeispiel für fehleranfällige Darreichungsformen«, meint der Apotheker und Arzneiformenexperte Dr. Wolfgang Kircher. Bei einer Fortbildung in Bad Segeberg erläuterte er ausführlich, was alles schief gehen kann.
Daniela Hüttemann
16.11.2018
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Zunächst einmal muss das Pulver in der Flasche aufgeschüttelt werden. »Das ist besonders bei großem Volumen wichtig«, so Kircher. Zum Auffüllen sollte, sofern nicht anders angegeben, kaltes Leitungswasser, kein heißes Wasser, benutzt werden. Dann sollte den Eltern genau gezeigt werden, bis wohin sie die Flasche füllen sollen. Mal gebe es eine Glasrille, mal eine Markierung auf dem Etikett oder es soll bis knapp über oder unter das Etikett aufgefüllt werden.

Meist wird das Wasser in zwei Schritten hinzugefügt. »Gerade bei großem Pulvervolumen darf die erste Wasserportion nicht zu gering sein, sonst kann sich ein hochviskoses Gel bilden, das fest an der Flaschenwand haftet und sich nach Zugabe der zweiten Wasserportion auch durch intensives Schütteln nicht mehr im Lösungsmittel dispergieren lässt«, erklärte Kircher. Dies kann etwa bei verschiedenen Cefaclor-Trockensäften passieren. Im Optimalfall ist die genaue Menge im Beipackzettel angegeben und lässt sich auch tatsächlich im beigepackten Messbecher oder Dosierspritze korrekt abmessen.

Es gibt Präparate, da ist zwar ein Volumen genannt, aber keine exakte Dosierhilfe beigelegt – für die Eltern ohne zusätzliche Hilfsmittel ein unlösbares Problem. Daher plädiert Kircher für die sachkundige Herstellung in der Apotheke. »Wenn Sie das regelmäßig machen und eine Liste für die häufig verordneten Präparate mit den entsprechenden Füllvolumina anlegen, geht es mit dem Messzylinder ganz flott«, so Kircher. Die Volumina lassen sich (falls nicht in der Fach- und Gebrauchsinformation angegeben) bei den Herstellern erfragen.

Wer das genaue Füllvolumen kennt, vermeidet Wartezeiten zwischen den einzelnen Aufschüttel-Schritten, weil sich laut vieler Herstellungsanleitungen erst einmal der Schaum setzen soll, bevor bis zur Linie aufgefüllt werden kann. Doch das kann sehr lang dauern, zum Beispiel bei Erythromycin-Präparaten. Der Schüttelschaum darf nicht in das Saftvolumen einbezogen werden.

Wichtig ist der Hinweis an die Eltern, dass das Präparat vor jeder neuen Entnahme wieder kräftig aufgeschüttelt werden muss und natürlich nicht wieder mit Wasser aufgefüllt werden darf (entsprechende Fallberichte liegen vor). Die verordnete Dosis sollte bei hoher Stabilität des Schaums und geringer Suspensionsstabilität entgegen der Anweisung in der Packungsbeilage möglichst rasch nach dem Aufschütteln entnommen werden, da der Wirkstoff sonst wieder sedimentiert. »Wir haben das mal untersucht und festgestellt, dass bei Entnahme 30 Minuten nach dem Aufschütteln eines Amoxicillin-Safts 50 Prozent zu wenig Wirkstoff in der entnommenen Dosis war«, informiert Kircher. Wird per Messlöffel oder -becher dosiert, wird die Suspension langsam abgegossen; genauer ist die Entnahme über Kopf per Dosierspritze, vor allem bei Volumina unter 5 ml.

Zudem gibt es bei bioäquivalenten oder gar bei identischen Präparaten unterschiedliche Aufbewahrungshinweise. Sie resultieren nicht ausschließlich aus den Stabilitätsdaten der Zubereitung, so Kircher. Die pharmazeutischen Unternehmer berücksichtigen im Rahmen des Zulassungsverfahrens weitere Parameter. So müssen beispielsweise manche zubereitete Cefuroxim-Säfte im Kühlschrank aufbewahrt werden, während andere Präparate, die mit der gleichen Rezeptur vom selben Lohnhersteller stammen, bei Raumtemperatur gelagert werden können. Gebrauchsfertige Amoxicillin-Säfte sind in Deutschland unter 8 Grad C aufzubewahren, während die identischen Präparate der österreichischen Unternehmer bei Raumtemperatur gelagert werden können.

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