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Infektionsforschung

Die natürlichen Arzneistoff-Taxis 

Außenmembran-Vesikel von bestimmten Bodenbakterien könnten eines Tages im Kampf gegen bakterielle Infektionen Erfolge erzielen. Erste Hinweise darauf liefern Untersuchungen der Arbeitsgruppe von Dr. Gregor Fuhrmann vom Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS). 
Sven Siebenand
28.11.2018
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Wie einer Pressemitteilung HIPS, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität des Saarlandes zu entnehmen ist, hat das Fachmagazin »Journal of Controlled Release« die Ergebnisse dieser Untersuchungen publiziert. Die Wissenschaftler haben die Außenmembran-Vesikel des Bodenbakteriums Cystobacter velatus genau unter die Lupe genommen. »Das sind winzige Bläschen, die die Bakterien durch Ausstülpen ihrer äußeren Membran herstellen«, erläutert Fuhrmann.

Dabei habe man entdeckt, dass die Bläschen mit dem antibakteriellen Wirkstoff Cystobactamid gefüllt sind. Das Interessante sei, dass die extrazellulären Vesikel zumindest in einfachen Zellmodellen auf menschliche Zellen nicht toxisch wirkten, jedoch Bakterien abtöten könnten. Die beiden Erstautorinnen Eilien Schulz und Adriely Goes zeigten dies, indem sie die Vesikel an menschlichen Immun- und Gewebezellen testeten. In weiteren Versuchen konnten sie nachweisen, dass Cystobactamid das gramnegative Modellbakterium Escherichia coli abtötet.

Fuhrmann räumt ein, dass man bislang mit sehr einfachen Modellen gearbeitet hat. Künftig will er mit seiner Arbeitsgruppe untersuchen, was in komplexeren Systemen passiert, beispielsweise wenn Bakterien Biofilme bilden, um sich zu schützen. Dennoch hält Fuhrmann diese ersten Ergebnisse für vielversprechend. Sie könnten ein Schritt zu einer zielgerichteten antimikrobiellen Therapie sein, hoffen Fuhrmann und Kollegen. Denn im Gegensatz zu synthetischen Nanopartikeln, die mit Wirkstoffen beladen werden und diese an den jeweiligen Einsatzort im Körper transportieren, handele es sich bei den Bakterien-Vesikeln um natürliche »Arzneistoff-Taxis«. »Wir vermuten daher, dass extrazelluläre Vesikel besser verträglich sind und leichter ihr Ziel erreichen«, so Fuhrmann.

DOI: 10.1016/j.jconrel.2018.09.030

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