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Messung, Daten, Protokolle
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Die Medizin hat ihr Herz verloren

Hightech und Effizienz dominieren das Gesundheitswesen, während Menschlichkeit und Mitgefühl leise Adieu sagen. Dabei entscheiden oft genau diese Softskills über Patientensicherheit, Versorgungsqualität und Teamstabilität.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 29.05.2026  07:00 Uhr

Das Gesundheitswesen hat seine menschlichen, moralischen und zwischenmenschlichen Werte verloren, argumentiert ein Expertenteam um Bob Klaber, Facharzt für Kinderheilkunde und Leiter der Strategieabteilung am Imperial College Healthcare NHS in London, in einem Meinungsbeitrag im »British Medical Journal« (BMJ).

Trotz Hightech-Diagnostik und Spitzenmedizin fühlen sich viele Patientinnen und Patienten heute wie ein Fall im Fließbandbetrieb. Gleichzeitig berichten Heilberuflerinnen und Heilberufler von moralischer Erschöpfung und Sinnverlust im Job.

Während sich die technische Leistungsfähigkeit in der Medizin perfektionierte, seien menschliche und moralische Grundlagen verloren gegangen – genau jene Aspekte, von denen Qualität und Wirksamkeit abhängen, heißt es.

Die moderne Versorgung arbeitet demnach Menschen entlang standardisierter Protokolle ab und läuft Gefahr, die Einzigartigkeit individueller Lebensrealitäten zu übersehen. Das »rationale Vokabular«, bestehend aus Messung, Ziel und Effizienz, hat das »beziehungsorientierte Vokabular«, also Gefühle, Freundlichkeit und zwischenmenschliche Nähe, an den Rand gedrängt.

Mensch im Mittelpunkt

Weltweite Bewegungen wie »What matters to you?« zeigen jedoch, wie sich klinische Begegnungen wieder von reiner Diagnostik zurück zu echter Partnerschaft zwischen Pflegenden und Gepflegten entwickeln können. Die Initiative startete im Jahr 2016 mit dem Ziel, Gespräche zwischen Heilberuflern und Patientinnen und Patienten sowie deren Familien und Betreuern stärker zu fördern. Dabei gilt es, den Fokus ausschließlich auf den Menschen zu richten.

Jede Visite, jedes Gespräch und jeder Austausch auf Führungsebene sind laut BMJ-Beitrag eine Chance, das Verhältnis neu auszubalancieren. Statt auf große Reformen zu warten, plädiert das Autorenteam dafür, sofort mit der Beziehungspflege zu beginnen, um das Gesundheitswesen seiner eigentlichen Bestimmung wieder näherzubringen – dem Heilen mit Herz.

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