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Robert F. Kennedy Jr.
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Die Interessenkonflikte des Herrn Ministers

Der US-amerikanische Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. sorgte zuletzt nicht nur durch seine merkwürdigen Vorwürfe in Richtung der Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) für Kopfschütteln. Zwei weitere Publikationen schärfen das Bild des Ministers als einen gesundheitspolitischen Akteur zwischen Ideologie, Marktinteressen und Wissenschaft.
AutorKontaktTheo Dingermann
AutorKontaktManfred Schubert-Zsilavecz
Datum 12.01.2026  12:30 Uhr

Mit Robert F. Kennedy Jr. (RFK Jr.) steht erstmals ein erklärter Kritiker zentraler Prinzipien evidenzbasierter Medizin an der Spitze des US-Gesundheitsministeriums. Zwei aktuelle Artikel im »Wall Street Journal« (WSJ) und auf der Informationsplattform des Massachusetts Institute of Technology (MIT) »MIT Technology Review« zeichnen ein konsistentes Bild: Kennedy treibt eine gesundheitspolitische Neuausrichtung voran, die wissenschaftliche Evidenz relativiert, alternative Gesundheitsnarrative aufwertet und zugleich erhebliche ökonomische Interessen bedient.

Das Wall Street Journal analysiert RFK Jr.s enge Verflechtung mit der US-amerikanischen Supplement- und Wellnessindustrie, einem rund 70 Milliarden US-Dollar (knapp 60 Milliarden Euro) schweren, nur schwach regulierten Markt. Kennedy inszeniert sich dabei als Kämpfer gegen eine angebliche »Kriegserklärung an Vitamine« und umgibt sich demonstrativ mit Influencern, Unternehmern und Ärzten aus dem alternativen Gesundheitsmilieu. Viele von ihnen vertreiben selbst Nahrungsergänzungsmittel, Peptide oder Longevity-Produkte, die häufig mit fragwürdigen oder wissenschaftlich nicht belegten Heilsversprechen werben.

Kennedys öffentliche Empfehlungen von Vitamin A und Lebertran gegen Masern oder von hoch dosierten Supplementen bei Infektionskrankheiten unterlaufen dabei den medizinischen Konsens. Besonders brisant ist, dass diese Positionen aus dem Amt des Gesundheitsministers heraus geäußert werden, mit erheblicher Wirkung auf das Verhalten von Patientinnen und Patienten, besonders in Bevölkerungsgruppen, die ohnehin wissenschaftlichen Aussagen gegenüber kritisch eingestellt sind.

Wie das WSJ aufzeigt, sind zentrale Positionen in Kennedys Ministerium und nachgeordneten Behörden inzwischen mit Personen besetzt, die wirtschaftlich oder ideologisch eng mit der Supplement-Branche verbunden sind.

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