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Robert F. Kennedy Jr.
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Die Interessenkonflikte des Herrn Ministers

Der US-amerikanische Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. sorgte zuletzt nicht nur durch seine merkwürdigen Vorwürfe in Richtung der Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) für Kopfschütteln. Zwei weitere Publikationen schärfen das Bild des Ministers als einen gesundheitspolitischen Akteur zwischen Ideologie, Marktinteressen und Wissenschaft.
AutorKontaktTheo Dingermann
AutorKontaktManfred Schubert-Zsilavecz
Datum 12.01.2026  12:30 Uhr

Ernährungsleitlinien gegen den Stand der Forschung

Auf der Plattform »MIT Technology Review« wird ein zweiter, strukturell verwandter Aspekt beleuchtet: die unter Kennedys Federführung veröffentlichten neuen US-Ernährungsleitlinien »The new Dietary Guidelines for Americans«.

Viele der Empfehlungen sind sinnvoll. So empfehlen die Leitlinien eine Ernährung, die reich an Vollwertkost ist, insbesondere an frischem Obst und Gemüse. Sie empfehlen auch, stark verarbeitete Lebensmittel und zugesetzten Zucker zu vermeiden.

Andererseits weichen die Empfehlungen in zentralen Punkten von jahrzehntelanger ernährungswissenschaftlicher Evidenz ab. So werden rotes Fleisch und tierische Fette prominent empfohlen, obwohl klare Zusammenhänge mit kardiovaskulären Risiken und Krebsinzidenz wissenschaftlich belegt sind. Dagegen vermisst man neuere Erkenntnisse, beispielsweise dazu, dass es beim Alkoholkonsum kein »sicheres« Maß gibt. Stattdessen staunt man in den neuen Leitlinien über eine Umkehr der etablierten Ernährungspyramide.

Zudem ignorieren die neuen Leitlinien die wissenschaftliche Vorarbeit eines Expertengremiums vollständig.

Ernährungswissenschaftler, die die wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet genau beobachten, begleiten normalerweise die Überarbeitung der Leitlinien eng. Dieses Expertenteam veröffentlicht seine Ergebnisse zunächst in einem wissenschaftlichen Bericht, der dann als Basis für die endgültigen Ernährungsleitlinien für die amerikanische Bevölkerung dient.

Die letzten Leitlinien deckten den Zeitraum 2020 bis 2025 ab. Im Sommer 2025 wurden neue Leitlinien erwartet. Allerdings wurde nach Angaben von RFK Jr. die Veröffentlichung der aktualisierten Version durch einen »Regierungsstillstand« verzögert.

In der Gesamtschau wird deutlich: Kennedys Gesundheitspolitik folgt weniger einem evidenzbasierten Public-Health-Ansatz als einem ideologisch aufgeladenen Narrativ von »natürlicher« Gesundheit, individueller Autonomie und Misstrauen gegenüber etablierten Institutionen. Wissenschaftliche Unsicherheiten werden dabei nicht differenziert kommuniziert, sondern politisch instrumentalisiert.

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