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Robert F. Kennedy Jr.
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Die Interessenkonflikte des Herrn Ministers

Der US-amerikanische Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. sorgte zuletzt nicht nur durch seine merkwürdigen Vorwürfe in Richtung der Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) für Kopfschütteln. Zwei weitere Publikationen schärfen das Bild des Ministers als einen gesundheitspolitischen Akteur zwischen Ideologie, Marktinteressen und Wissenschaft.
AutorKontaktTheo Dingermann
AutorKontaktManfred Schubert-Zsilavecz
Datum 12.01.2026  12:30 Uhr

Ideologieexport statt Sachkenntnis

Vor diesem Hintergrund erscheint auch Kennedys Schreiben an die deutsche Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) in einem klareren Licht. In dem öffentlich gemachten Brief wirft RFK Jr. der Bundesrepublik vor, Ärzte und Patienten wegen Abweichungen von Corona-Maßnahmen zu verfolgen und damit die »Autonomie der Patienten« zu verletzen.

Die Vorwürfe stützen sich jedoch weder auf belastbare Daten noch auf ein zutreffendes Verständnis des deutschen Rechtssystems. Warken wies sie als »faktisch falsch« zurück und stellte klar, dass es in Deutschland ausschließlich um Betrugs- und Urkundenfälschungsdelikte gegangen sei, nicht um Therapiefreiheit.

In der Logik von Kennedys politischem Projekt ist der Brief dennoch konsequent: Er überträgt das US-amerikanische MAHA-Narrativ (Make America Healthy Again) auf den internationalen Raum und bewertet staatliche Regulierung grundsätzlich als autoritären Eingriff. Damit wird aus Gesundheitspolitik ein kulturkämpferisches Instrument, losgelöst von nationalen Kontexten und wissenschaftlicher Differenzierung.

In der Gesamtschau ergibt sich ein Bild von RFK Jr. als Schlüsselfigur einer tiefgreifenden Verschiebung: weg von evidenzbasierter, kollektiv orientierter Gesundheitspolitik hin zu einer individualisierten, marktnahen und ideologisch aufgeladenen Gesundheitsrhetorik. Der wirtschaftliche Nutzen für die Wellness- und Supplement-Industrie ist dabei kein Nebeneffekt, sondern ein strukturelles Element dieses Kurses.

Kennedys unerbetene und inakzeptable Intervention gegenüber Deutschland ist weniger Ausdruck berechtigter Sorge als vielmehr ein weiterer Baustein einer politischen Strategie, die wissenschaftliche Evidenz systematisch relativiert und staatliche Verantwortung delegitimiert.

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