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Spanische Grippe
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Die fast vergessene Pandemie

Auf die Frage nach der größten Katastrophe des 20. Jahrhunderts lautet die Antwort meistens nicht: die Spanische Grippe. Das überrascht vor dem Hintergrund, dass der Epidemie vor hundert Jahren weltweit 50 bis 100 Millionen Menschen zum Opfer fielen und damit mehr Tote hinterließ, als die Schlachten des Ersten und Zweiten Weltkriegs zusammen.
AutorUlrike Abel-Wanek
Datum 27.09.2018  00:00 Uhr

Viren aus dem Eis

Nach der Seuche wird die Suche nach dem tödlichen Erreger zur großen Herausforderung der Mikrobiologie. Doch erst Ende der 1990er-Jahre kann der amerikanische Mikrobiologe Jeffery Taubenberger die vollständige Sequenzierung des Virus in Angriff nehmen – nach spektakulären, gut erhaltenen Funden von Opfern der Spanischen Grippe im Permafrost Alaskas.

Mithilfe entnommener Gewebeproben wird die RNA aller Gene des Pandemievirus rekonstruiert. Taubenbergers Arbeit zählt zu den wichtigsten wissenschaftlichen Durchbrüchen des Jahres 2005, wie es »Science« formuliert. Auffällig ist, wie sehr die Sequenzen den bereits bekannten Sequenzen des Vogelgrippe-Erregers ähneln.

Die ersten Jahrzehnte nach ihrem Ausbruch war die pandemische Vernichtungswelle von 1918 kaum Gegenstand der Forschung. Heute beschäftigen sich neben Historikern, Medizinern und Biologen auch Ökonomen, Soziologen und Klimaforscher mit der Spanischen Grippe, um weiter daraus zu lernen. Denn auch hundert Jahre danach ist eine erneute Pandemie nie völlig auszuschließen.

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