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Blut in Regenbogenfarben
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Die bunte Chemie des Lebens

Nicht jedes Blut ist rot wie das des Menschen. Die Tierwelt überrascht mit einem faszinierenden Spektrum von Blau über Grün bis Violett. Die Welt ist bunt – auch im Blut.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 31.08.2026  07:00 Uhr

Regenbogenfarben im Tierreich

Während sich beim Menschen die Farbpalette vor allem auf verschiedene Rottöne beschränkt, präsentiert die Natur ein regelrechtes Farbspektakel. Der Grund liegt in den unterschiedlichen Molekülen, mit denen Tiere Sauerstoff transportieren. Auch fast alle Wirbeltiere – von Fischen über Vögel bis zu Säugetieren – besitzen Hämoglobin und damit rotes Blut. Ganz anders sieht es jedoch bei vielen wirbellosen Meerestieren aus.

Kraken, Tintenfische, Hummer und Krebse verfügen über Hämocyanin statt Hämoglobin. Hier übernimmt Kupfer anstelle von Eisen die Sauerstoffbindung. Ist Hämocyanin mit Sauerstoff beladen, färbt es das Blut blau. Besonders in kaltem und sauerstoffarmem Wasser arbeitet dieses System äußerst effizient und stellt einen evolutionären Vorteil dar.

Einige Meeresringelwürmer wiederum besitzen Chlorocruorin – einen eisenhaltigen Blutfarbstoff, der dem Blut einen grünlichen Farbton verleiht. Dieses Sauerstofftransportprotein ist eng mit Hämoglobin verwandt, unterscheidet sich aber leicht in seiner chemischen Struktur. Diese kleine Veränderung beeinflusst, welche Wellenlängen des Lichts das Molekül absorbiert.

Andere wirbellose Tiere wie bestimmte Ringelwürmer oder Armfüßer nutzen Hämerythrin, das sauerstoffreich violett bis rosafarben erscheint. Hämerythrin enthält auch Eisen, aber kein Häm. Stattdessen sind zwei Eisenatome im Protein zu finden, die die Sauerstoffbindungsstelle bilden. Hämerythrin absorbiert vor allem Licht im grün-gelben Bereich des Spektrums, während mehr rotes und blaues Licht reflektiert wird. Die Mischung aus Rot und Blau nehmen die Augen als Violett wahr.

Gallenfarbstoff macht grün

Eine Besonderheit stellen einige Glatteidechsen (Skinke) der Gattung Prasinohaema aus Neuguinea dar. Ihr Blut wirkt grün, weil es außergewöhnlich hohe Konzentrationen des Gallenfarbstoffs Biliverdin enthält. Beim Menschen wären solche Werte hochgiftig, die Echsen haben jedoch im Laufe der Evolution eine bemerkenswerte Toleranz entwickelt.

Biliverdin ist übrigens auch der Grund, weshalb ein blauer Fleck beim Menschen später grünlich aussieht, denn Biliverdin ist ein Abbauprodukt von Hämoglobin. Da Biliverdin dann weiter zu Bilirubin abgebaut wird, nimmt ein ursprünglich blauer Fleck am Ende des Abheilens eine gelblich-bräunliche Farbe an.

Und Insekten? Sie besitzen zwar eine Hämolymphe, diese übernimmt jedoch meist keinen Sauerstofftransport. Da Insekten Sauerstoff über ein verzweigtes Tracheensystem direkt zu ihren Geweben leiten, ist ihre Hämolymphe häufig farblos oder gelblich.

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