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Grippeimpfstoffe 

Die Bayern-Reserve fließt

Seit Anfang der Woche fließt die sogenannten Bayern-Reserve. Damit kommt rund eine halbe Million zusätzliche Dosen Grippeimpfstoff in den Markt. Der Freistaat sieht sich damit gut gerüstet für die laufende Grippesaison.
Stephanie Schersch
02.12.2020  15:15 Uhr

Seit Wochen haben die Apotheken ein Problem mit Grippeimpfstoffen. Denn die Vakzine ist am Markt nur schwer zu bekommen, so groß ist der Ansturm auf die Impfung in Pandemiezeiten. Bayern hat vor diesem Hintergrund als einziges Bundesland eine zusätzliche Impfstoff-Reserve angelegt. Insgesamt 550.000 Dosen hat sich der Freistaat gesichert, die nun an die Praxen ausgeliefert werden.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CDU) sieht Bayern mit dieser Rücklage gut aufgestellt. »Unsere Abfrage bei den Hausärzten hat einen Bedarf von zunächst rund 438.000 Impfdosen ergeben«, sagte sie am heutigen Mittwoch in München. Rund 3600 Praxen hätten sich an der Umfrage beteiligt. »Wir haben also mit der Beschaffung unserer 550.000 zusätzlichen Impfdosen eine gute und notwendige Entscheidung getroffen.« Eigentlich steht Deutschland in dieser Saison so viele Grippeimpfstoff zur Verfügung wie noch nie. Insgesamt 30 Millionen Dosen sollen es sein, 6 Millionen davon hatte der Bund zuletzt als nationale Reserve angeschafft. Doch obwohl diese seit Anfang November schrittweise in den Markt fließt, haben die Apotheker immer noch große Schwierigkeiten, die begehrte Vakzine zu bekommen. Zumindest in Bayern könnte sich die Lage nun etwas entspannen.

Bewährte Strukturen

Ärzte können die Impfstoffe über ein spezielles Formular in den Apotheken bestellen. Vorrang sollen dabei die Praxen bekommen, die sich an der Bedarfsabfrage des Ministeriums beteiligt haben. Der Bayerische Apothekerverband (BAV) leitet die Bestellungen anschließend an die Hersteller weiter, die den Impfstoff dann an die von den einzelnen Praxen angegebenen Wunschapotheken verteilen. Rund 3000 Offizinen sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums an der Auslieferung beteiligt. Der Impfstoff bleibt dabei Eigentum des Freistaats, mit dem die Krankenkassen direkt abrechnen müssen.

BAV-Chef Hans-Peter Hubmann ist zufrieden mit den vereinbarten Abläufen. »Das Ministerium setzt damit auf einen seit vielen Jahren bewährten Weg, den Impfstoff an die Arztpraxen zu verteilen.« Auch die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) sprach von einer raschen und unbürokratischen Auslieferung. »Es zeichnet sich ab, dass sich der vorhandene Bedarf damit gut decken lässt«, heißt es in einer Erklärung des KVB-Vorstands.

Angesichts der Lieferengpässe beim Grippeimpfstoff versuchte Gesundheitsministerin Huml, mögliche Diskussionen über die Bayern-Reserve vorwegzunehmen. So habe man den Ärzten mit der Rücklage keine Impfstoffe am Markt weggenommen, betonte sie. »Denn wir haben die gut eine halbe Million Impfdosen auf dem freien Markt beschafft, nachdem die Ärzte ihre eigenen Bestellungen für diese Saison abgegeben hatten.« Zugleich warb Huml dafür, sich impfen zu lassen. »Eine Impfung ist auch im Dezember und im Januar noch sinnvoll.«

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