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Arzneimittel-Sparpaket
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DAV sieht durch Sparpläne Arzneimittelversorgung in Gefahr

Unter anderem die Pandemie hat Löcher in die Finanzen der Krankenkassen gerissen, die es nun zu stopfen gilt. Der Rotstift setzt dabei auch im Arzneimittelbereich an – etwa soll nach den Vorstellungen von Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach (SPD) der Apothekenabschlag für zwei Jahre erhöht werden. Das wertet der Deutsche Apothekerverband (DAV) als Risiko für die Arzneimittelversorgung. Auch die Hersteller sind verärgert. Die Kassen hingegen klatschen Beifall.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 16.03.2022  15:00 Uhr

Sparpläne sind laut BPI »fatale Signale«

Auch der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) sieht Arzneimittel nicht als Kostentreiber. »Ich weise darauf hin, dass die Arzneimittel nach Steuern und Handelsstufen nur rund 11 Prozent der Ausgaben der GKV ausmachen«, bilanzierte der BPI-Vorsitzende Hans-Georg Feldmeier. Die Pläne aus dem GKV-Finanzierungsgesetz, etwa die Geltung des AMNOG-Erstattungspreises zur verkürzen oder den Orphan-Drug-Status aufzuweichen, seien »fatale Signale«, so Feldmeier. Es gelte, Innovationen weiterhin zu ermöglichen und nicht »an diesem neuralgischen Punkt zu kürzen«. Angesichts brüchiger Lieferketten weltweit sowie steigender Kosten für Forschung, Entwicklung und Produktion gelte es in erster Linie, die Arzneimittelversorgung zu sichern. Dafür brauche es verlässliche Rahmenbedingungen und »auskömmliche Preise für alle Arzneimitteltherapien«, forderte Feldmeier.

Vor einem existenziellen Risiko für mittelständische Pharmaunternehmen warnte der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH). »Dass das Bundesministerium für Gesundheit nun fast eine Verdreifachung des Herstellerabschlags vorsieht, ist völlig inakzeptabel«, so BAH-Hauptgeschäftsführer Hubertus Cranz. »Viele mittelständische Unternehmen werden dies nicht verkraften können.« Dass das Preismoratorium über vier Jahre verlängert werden solle, bedeutet de facto für viele Arzneimittel bis zum Jahr 2026 einen Preisstand vom 1. August 2009, obwohl sich die Produktionskosten seitdem stark erhöht hätten. Der Inflationsausgleich könne das nur im Ansatz auffangen, so Cranz. Er betonte: »Wenn für Unternehmen eine kostendeckende Produktion nicht mehr möglich ist, müssen sie das Produkt aus dem Markt nehmen.« Ähnlich argumentierte der Branchenverband Pro Generika. Der Vorstandsvorsitzende Peter Stenico teilte mit: »Die Entscheidung, das Preismoratorium beizubehalten, finde ich fatal. Denn die Tatsache, dass die Preise für Arzneimittel auf dem Niveau von 2009 festgefroren sind, ist einer der Gründe, warum es immer wieder zu Engpässen kommt.«

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