Pharmazeutische Zeitung online
Qualitätsmanagement

Das Wir-Gefühl in Coronavirus-Zeiten

Apothekenteams sind seit Wochen besonders gefordert und müssen nicht nur das Infektionsrisiko in der Apotheke so niedrig wie möglich halten, sondern auch Kunden beraten und beruhigen. Damit die Arbeitsprozesse weiterhin standardisiert ablaufen können, nimmt das Qualitätsmanagement einen hohen Stellenwert ein.
Heidi Ehniss
15.04.2020  09:00 Uhr

Alles für die Kunden zu geben, ist für viele Inhaber und Teams eine Selbstverständlichkeit. Doch besonders während der Coronavirus-Pandemie zeigt sich die Bedeutung eines Qualitätsmanagement-Systems (QMS). Mit dessen Standards ist es für Apothekenteams möglich, sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Die gemeinsame Planung der Arbeitszeiten mit dem Dienstplan ist bedeutsam, um die unterschiedlichen Schichten einzuteilen und auch Pausenzeiten für jeden Mitarbeiter zu garantieren. Angesichts der gegenwärtigen Situation muss dieser Plan regelmäßig überprüft werden. Das kann wöchentlich oder zu Dienstbeginn erfolgen.

Ein weiterer wichtiger Baustein eines QM-Systems ist die Kommunikation. Noch mehr als sonst ist es nun wichtig, alle relevanten Themen und Sicherheitsupdates zu den aktuellsten Informationen weiterzugeben, zumal diese sich fast stündlich ändern können. Eine Stütze beim Managen der Informationsflut ist sowohl das Übergabebuch oder der Übergabeordner als auch die täglichen Teamsitzungen. Selbst wenn sich viele Mitarbeiter am Abend durch die mannigfaltigen Herausforderungen ausgepowert fühlen, ist das Zusammenkommen des Teams extrem wichtig, um beispielsweise gemeinsame Entscheidungen mit Blick auf Sicherheitsvorkehrungen oder andere Neuerungen zu treffen.

Die Bedeutung eines funktionierenden QMS weiß auch Bernd Späth, Inhaber der Hirsch-Apotheke in Haibach in Unterfranken, zu schätzen. »Ich habe zeitnah mit meinem Team entschieden, für meine Apotheke einen passenden Spuckschutz zu bauen. Dabei war es uns wichtig, dass dieser nicht nur zur Sicherheit beiträgt, sondern dass sich Kunden und Apothekenteam damit auch dauerhaft wohlfühlen«, sagte er zur PZ.

Den Alltag stressfrei bewältigen

Die Sicherheitsvorkehrungen hat auch Ceylan Uzun, Inhaberin der Apotheke am Kreuzstein im hessischen Maintal-Bischofsheim, verschärft: »Wir haben uns für eine komplette Schutzausrüstung entschieden«, berichtet sie. Die Mitarbeiter ihrer Offizin wären sich sofort einig gewesen, die Patienten nicht im Stich lassen zu wollen. »Unsere langjährige Erfahrung im QM-System hilft uns enorm, den Alltag stressfrei zu bewältigen«, so Uzun.

Ein weiterer QMS-Bestandteil sind Sicherheitsschulungen für das Team. Während der Coronavirus-Pandemie ist zu beachten, dass hier ebenfalls das Personal für die Botendienstbelieferungen einbezogen wird. Für die Boten muss etwa sichergestellt sein, dass am Auto alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen sind und ihnen ein Platz in den Räumlichkeiten der Apotheke für etwaige Vorbereitungen zur Verfügung steht. Empfehlenswert ist es zudem, die gespeicherten Kundendaten gemäß Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zu überprüfen. Das hilft beispielsweise bei einem falschen Straßennamen, doppelte Fahrten zu vermeiden.

Und zuletzt ist die gemeinsame Motivation verbunden mit einem Ziel für die Zeit nach der Coronavirus-Pandemie zentral. Das kann ein Fest oder ein gemeinsames Essen sein oder einfach zusammen tanzen zu gehen. Wesentlich ist es dabei, im Nachgang zu erkennen und wertzuschätzen, dass die Krise nur mit vereinten Kräften zu meistern war.

Mehr von Avoxa