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Eisensubstitution

Das ist zu beachten

Haarausfall, Müdigkeit und Erschöpfung können auf einen Eisenmangel hinweisen. Will ein Kunde deshalb ein Eisenpräparat einnehmen, sollten vor allem hoch dosierte Mittel nicht ohne vorherige Abklärung durch den Arzt abgegeben werden. Besonders kritisch ist die derzeitig steigende Nachfrage nach Eiseninfusionen zu sehen.
Christiane Warnck
11.09.2019
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Eisen ist ein essenzielles Spurenelement, das der Organismus für eine Reihe von Aufgaben benötigt. Der Bedarf eines erwachsenen Mannes liegt laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung bei 10 mg Eisen pro Tag, der einer Frau bei 15 mg/Tag. Bei Kindern sind es altersabhängig zwischen 8 und 15 mg/Tag. Bei Schwangeren (30 mg/Tag) und Sportlern (10 bis 20 mg/Tag) ist der Eisenbedarf erhöht.

Um diese Mengen aufzunehmen und den physiologischen Verlust an Eisen auszugleichen, wird eine ausgewogene mediterrane Kost empfohlen. Der beste Eisenlieferant ist hierbei Fleisch, in dem Eisen als zweiwertiges Häm-Eisen vorliegt, was vom Körper zu 30 Prozent verwertet werden kann. Gemüse und Getreide enthalten zwar ebenfalls viel Eisen, jedoch dreiwertiges, dessen Bioverfügbarkeit lediglich etwa 5 Prozent beträgt.

Symptome eines Eisenmangels

Im Körper befindet sich ein Großteil des Eisens im Hämoglobin der Erythrozyten gebunden (circa 70 Prozent), wo es für den Sauerstofftransport verantwortlich ist. Aber es kommt auch in den Muskelzellen, als Speichereisen (vor allem in der Leber) und in einigen Enzymen vor. Das ist auch der Grund für die vielseitigen Symptome, mit denen sich ein Eisenmangel darstellen kann. In Abhängigkeit von der Schwere des Eisenmangels können bei Anämie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, depressive Verstimmungen, Schlafstörungen, Kopfschmerz, Schwindel, Tachykardie, Atemnot bei körperlicher Anstrengung, Störungen des Wachstums von Haaren und Nägeln, Veränderungen der Mundschleimhaut, Zungenbrennen, Mundwinkelrhagaden, Blässe der Haut und Schleimhaut auftreten.

Eisenmangel wird je nach Ausprägung in drei Stadien unterteilt. Zunächst besteht nur ein Speichereisenmangel. Im zweiten Stadium reicht im Knochenmark die Versorgung der Vorstufen zur Bildung roter Blutkörperchen nicht mehr aus (eisendefizitäre Erythropoese), aber das im Blut vorhandene Hämoglobin liegt noch im Normbereich. Der Wert des Eisentransportproteins Transferrin ist erhöht. Erst wenn im dritten Stadium der Normbereich des im Blut vorhandenen Hämoglobins unterschritten wird, liegt eine Eisenmangelanämie vor.

Ursachen abklären

Meist entsteht ein Eisenmangel durch einen vermehrten Verlust oder Verbrauch, seltener durch Resorptionsstörungen. Die folgenden Ursachen sollten vor Beginn der Eisentherapie ärztlich abgeklärt werden:

  • Verlust durch akute oder chronische Blutungen, zum Beispiel aufgrund von Magen- oder Darmgeschwüren, etwa infolge von NSAR-Einnahme, Hämorrhoiden, Krebserkrankungen oder bei Frauen mit starker Regelblutung.
  • Verringerte Zufuhr durch Mangelernährung: Eisenarme Diäten, zum Beispiel eine vegetarische oder vegane, oder Essstörungen wie Anorexie können zu einem Eisendefizit führen.
  • Verminderte Resorption: Gründe hierfür sind unter anderem ein Mangel an Magensäure (eventuell infolge einer Dauertherapie mit Antazida oder Protonenpumpenhemmern), chronisch-entzündliche Magen-Darm-Erkrankungen oder eine Dauertherapie mit bestimmten Medikamenten wie Cholestyramin, Penicill­amin oder Deferoxamin.
  • Erhöhter Bedarf: Schwangere und Stillende haben einen erhöhten Eisenbedarf. Aber auch Säuglinge und Kleinkinder sowie Jugendliche zwischen dem 13. und 15. Lebensjahr können durch den erhöhten Bedarf während des Wachstums einen Eisenmangel zeigen.
  • Eisenverteilungsstörung: Bei chronischen Infekten, Entzündungen und Tumoren wird dem Blut Eisen entzogen und in den Eisenspeichern fest­gehalten. Hierbei handelt es sich um eine unspezifische Abwehrreaktion, mit der der Körper versucht, den ­pathologischen Prozess zu bekämpfen, indem er ihm das dafür essenzielle Eisen entzieht.

Richtig substituieren

Neben der Beseitigung der Ursache für den Eisenmangel besteht die Therapie laut Leitlinie »Eisenmangel und Eisenmangelanämie« der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizi­nische Onkologie in der oralen Eisensubstitution mit einer Anfangsdosis von 50 bis 100 mg Eisen pro Tag. Die Dauer der Therapie kann je nach Schwere des Eisenmangels Wochen bis Monate dauern, da das oral verabreichte Eisen nur zu 5 bis 10 Prozent aufgenommen wird. Bei Kräuterblut Saft liegt die Gesamtmenge des zugeführten Eisens bei dreimal täglicher Einnahme nur bei 38 mg, daher wird das Präparat nur zur Prophylaxe von Eisenmangel empfohlen, nicht zur Therapie.

Die Gabe von Präparaten mit zweiwertigen Eisensalzen ist aufgrund der besseren Bioverfügbarkeit zu bevorzugen. Die Resorption des Eisens kann durch zahlreiche Nahrungsmittel sowohl positiv (Vitamin C) als auch negativ (Kaffee, Tee, Milchprodukte, andere zweiwertige Ionen) beeinflusst werden. Deshalb sollte die orale Eisengabe vorzugsweise nüchtern erfolgen, das heißt eine halbe Stunde vor oder zwei Stunden nach der Mahlzeit.

Es wird diskutiert, ob eine Verabreichung alle zwei Tage sinnvoller ist als die tägliche Gabe. Das hängt mit dem Peptidhormon Hepcidin zusammen, das das Eisentransportsystem reguliert. Hepcidin hemmt die Aufnahme von Eisen aus dem Darm. Bei einem Eisenmangel wird seine Konzentration herabgesetzt, um die Aufnahme von Eisen aus dem Darm zu erhöhen. Bei oraler Eisengabe steigt die Hepcidin-Konzen­tration jedoch an, was die Eisenaufnahme für 24 Stunden inhibiert. Aus diesem Grund wird auch empfohlen, die Tagesdosis an Eisen nicht zu splitten.

Das Hauptproblem der oralen Eisensubstitution ist die schlechte Verträglichkeit. Viele Patienten klagen über Beschwerden wie Magenschmerzen, Übelkeit, Verstopfungen und / oder Durchfall. Um diese Nebenwirkungen zu minimieren, kann die Einnahme vor dem Schlafengehen empfohlen werden. Falls diese Maßnahme zu keiner Verbesserung führt, kann die Dosis verringert werden oder die Einnahme trotz der dadurch verminderten Resorption gemeinsam mit einer Mahlzeit erfolgen. Die Eisensubstitution sollte noch mindestens drei Monate nach Verschwinden der Anämie fortgesetzt werden.

Nur wenn eine orale Eisentherapie nach Ausschöpfung aller Maßnahmen nicht vertragen wird oder eine schwere und nicht behandelbare Resorptionsstörung vorliegt, sollte Eisen intra­venös substituiert werden. Die intravenöse Eisengabe hat zwar den Vorteil eines schnelleren Therapieerfolgs und einer besseren Verträglichkeit, birgt jedoch das Risiko schwerer allergischer und anaphylaktischer Reaktionen. Deswegen sollte die Gabe von eisenhaltigen Injektabilia laut Rote-Hand-Brief vom Oktober 2013 nur in Einrichtungen vorgenommen werden, in denen Personal und Ausrüstung zur Notfallbehandlung allergischer Reaktionen sowie zur Wiederbelebung zur Verfügung stehen. Eine enge Überwachung des Patienten muss während der Infusion und mindestens 30 Minuten danach sichergestellt sein.

Der Erfolg der Therapie sollte durch regelmäßige Messungen des Hämoglobinwerts kontrolliert werden. Ziel ist neben der Normalisierung des Hämoglobins ein Ferritinwert von 50 bis 100 µg/dl.

Eiseninfusionen als gefährlicher Trend

Von einer unkritischen Verabreichung von Eiseninfusionen zur symptomatischen Behandlung von Müdigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen und anderen Symptomen, wie sie derzeit von einigen europäischen Eisenzentren proklamiert wird, ist abzuraten. Dieser Trend, Eiseninfusionen zu kommerzialisieren, hat seinen Ursprung einem Bericht der »Neuen Osnabrücker Zeitung« zufolge in der Schweiz bei der Swiss Iron Health Organisation (SIHO) und breitet sich auch in Deutschland aus. Mittlerweile gibt es in Deutschland mehr als 50 Praxen, die sich der SIHO angeschlossen haben. Die Behandlung des Eisenmangelsyndroms mit Ferritinwerten unter 50 µg/dl allein stellt jedoch keine Indikation für eine Eiseninfusion dar. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt ein Eisenmangel erst ab Ferritinwerten unter 15 µg/dl als therapiebedürftig.

Abgesehen von dem in diesem Fall nicht gerechtfertigten Anaphylaxie-Risiko einer Eiseninfusion besteht bei intravenöser Eisengabe zudem das Risiko einer Eisenüberladung (Siderose), die Organe wie Leber, Herz, Pankreas, Gehirn und Muskeln schädigen kann. Dieses Risiko ist bei einer oralen Eisenzufuhr unter physiologischen Bedingungen nicht gegeben, da der Darm die Aufnahme des Eisens bei guter Eisenversorgung herunterreguliert. Im Fall eines Speichereisenmangels reicht eine orale Eisentherapie vollkommen aus, um den Eisenspeicher auf den gewünschten Ferritinwert von über 50 µg/dl anzuheben.

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