Pharmazeutische Zeitung online
Fokusregion Berlin-Brandenburg

Das E-Rezept startet 

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) bezweifelt unterdessen, dass der Pilotversuch in Berlin und Brandenburg ausreicht, um das ambitionierte Digitalprojekt zum Erfolg zu führen. »Um den Start des E-Rezepts in ganz Deutschland zum Januar kommenden Jahres sicherzustellen, muss die Technik für alle verlässlich rechtzeitig verfügbar sein«, sagt KBV-Sprecher Roland Stahl. Die Praxen müssten sich darauf verlassen können, dass die Technik ausgereift sei. Dabei hätte sich die KBV einen größeren Pilotversuch gewünscht. «Beim E-Rezept steht nun aber anstelle eines sinnvollen breit ausgerollten Feldtests eine selektive regionale Pilotphase mit vergleichsweise nur wenigen Praxen an.«

Auch den vorgesehenen Zeitplan sieht die KBV kritisch: Die Hersteller der Verordnungssoftware müssten spätestens zum 1. Oktober nachweisen, dass sie die Zertifizierungsvorgaben umgesetzt haben. Dieser zeitliche Vorlauf sei nötig, damit zum Januar 2022 ein flächendeckender Einsatz möglich werde. »Dieser zu knapp gefasste Zeitrahmen bedeutet letztendlich, dass die durch die Pilotphase gewonnenen Erkenntnisse nicht mehr rechtzeitig vor dem bundesweiten, verpflichtenden Start am 1. Januar berücksichtigt werden können. Unter einer ausgereiften Lösung versteht die KBV etwas anderes.«

Professor  Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, hält dagegen die Einführung des digitalen Workflows für überfällig: »Das E-Rezept in Deutschland bedeutet sicherlich einen wesentlichen Fortschritt. Aber der Fortschritt wäre natürlich noch besser gewesen, wenn er 2011 gekommen wäre und nicht erst 2021«, sagte er der Deutschen Presse-Agentur, »Wir müssen unbedingt das Bewusstsein dafür schaffen, dass eine umfassende Digitalisierung des Gesundheitswesens dringend notwendig ist.«

Seite<12
Seite<12

Mehr von Avoxa