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Benzodiazepine
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Das Dilemma der Niedrigdosis-Abhängigkeit

Patienten mit einer sogenannten Niedrigdosis-Abhängigkeit nehmen die Medikation gemäß ärztlicher Anordnung in der verschriebenen Dosis ein. Dass bei ihnen eine Abhängigkeit vorliegt, ist vielen nicht bewusst. Der Begriff sollte daher bei der Motivation zur Abdosierung vermieden werden. Vielmehr eignet sich ein Fünf-Phasen-Modell.
AutorKontaktKerstin A. Gräfe
Datum 17.03.2021  11:00 Uhr

Benzodiazepine aus anderen Quellen

In der Suchtphase, der vierten Phase, sind die Kriterien der Abhängigkeit erfüllt. »In diese Phase gelangen die Betroffenen eigentlich nur dann, wenn sie zusätzliche Quellen zu Beschaffung haben«, sagte der Referent. Oft nehmen die Patienten Dosen von 30 bis 60 mg ein.

In der Intoxikationsphase (Phase 5) mit Äquivalenzdosen über 60 mg beschafften sich die Patienten ihre Medikamente in der Regel auf dem Schwarzmarkt. Es dominiere der gestörte Tag-Nacht-Rhythmus mit subjektiv fehlendem Schlaf aber ständigem (kurzen) Einschlafen. Darüber hinaus sei die Aufmerksamkeitsspanne gering, verbunden mit massiven Gedächtnisproblemen, fehlendem Antrieb und unzureichender Fähigkeit zur Selbstkritik.

Abschließend stellte Holzbach den sogenannten Lippstädter Benzo-Check vor. Der Fragebogen mit zwölf Fragen diene als Orientierung, ob und wie ausgeprägt mögliche unerwünschte Wirkungen bereits aufgetreten sind. Der Bogen könne auch dem Kunden in der Apotheke als Selbsttest mitgegeben werden. Er ersetze nicht das Beratungsgespräch, stelle keine Diagnosen, sei aber eine gute Grundlage für einen Einstieg in ein Beratungsgespräch. Seit Jahresbeginn gibt es übrigens eine neue S3-Leitlinie zu »Medikamentenbezogenen Störungen«, bei denen auch die Rolle der Apotheke eingehend erläutert wird.

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