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Lebensmittelkennzeichnung

Danone führt Nutri-Score ein

Klare Kennzeichnungen von Lebensmitteln auf der Packungsvorderseite fordern Verbraucherschützer schon seit Langem. Das Ampelsystem findet bislang keine politische Mehrheit. Jetzt führt der Konzern Danone den sogenannten Nutri-Score in Deutschland für seine Milchprodukte ein.
Hannelore Gießen
04.01.2019
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Um dem Verbraucher die Chance zu geben, Lebensmittel gesundheitsbewusster auszuwählen, wird schon seit einigen Jahren über klare Kennzeichnungen diskutiert. Doch die Politik setzt auf freiwillige Maßnahmen der Lebensmittelindustrie und deren Bereitschaft, ab 2019 den Gehalt an Zucker, Fetten und Salz in Fertiggerichten zu reduzieren.

In einzelnen europäischen Ländern wurden aber bereits entsprechende Labels eingeführt. So nutzt Frankreich seit 2017 die neu entwickelte Nährwertkennzeichnung Nutri-Score, bestehend aus einer fünfstufigen Farbskala, optisch ähnlich der Energieverbrauchs-Kennzeichnung von Elektrogeräten wie Waschmaschinen. Das Label wird auf der Vorderseite von Lebensmittelpackungen aufgedruckt. Es soll einerseits die Verbraucher dazu anregen, sich beim Einkauf für gesündere Lebensmittel zu entscheiden, anderseits soll es Herstellern einen Anreiz bieten, ihre Produkte zu überarbeiten. Der Lebensmittelkonzern Danone wird den Nutri-Score nach eigenen Angaben ab Januar 2019 auch auf dem deutschen Markt einführen.

Festgelegt wird die Bewertung beim Nutri-Score in einem mehrstufigen Prozess: Im ersten Schritt wird der Gehalt der ungünstigen und der günstigen Nährwertelemente pro 100 Gramm Lebensmittel oder Getränk ermittelt. Als ungünstige Nährwertelemente werden erfasst: der Gesamtzuckergehalt, gesättigte Fettsäuren, Natrium sowie der Energiegehalt. Als günstige Nährwertelemente sind Ballaststoffe, Proteine sowie generell Obst, Gemüse und Nüsse definiert. Für jeden Nährwertgehalt gibt es Punkte, die in einem zweiten Schritt für die ungünstigen und die günstigen Nährwertelemente miteinander verrechnet werden. So wird für jedes Produkt eine Gesamtpunktzahl ermittelt. Im dritten Schritt werden diese Berechnungen einer fünfstufigen Skala zugeordnet. Jede Stufe ist dabei mit einer Farbe und einem Buchstaben gekennzeichnet: von grün und »A« bis rot und »E«.

In einer Vergleichsuntersuchung, die 2018 im Journal »PLoS One« erschien, hatte der Nutri-Score gegenüber anderen Labels gut abgeschnitten. Forscher der Pariser Universität Sorbonne hatten mit 3751 Probanden untersucht, inwieweit die Labels die Bewertung der Lebensmittelqualität verbesserten. Das Ergebnis: Alle Kennzeichnungsarten verbesserten die Einschätzung der Verbraucher im Vergleich zu Packungen ohne Label. Die Chance, die Qualität der Lebensmittel korrekt zu beurteilen, war durch den Nutri-Score am stärksten erhöht, und zwar um den Faktor 20.

DOI: 10.1371/journal.pone.0202095

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