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Corona-Impfstoffe

Curevac plant Phase III in Brasilien

Auch das deutsche Unternehmen Curevac will seinen Corona-Impfstoff in Brasilien testen. Bis Mitte September sollen die ersten Studienergebnisse aus Tübingen vorliegen.
PZ
dpa
11.08.2020  17:00 Uhr

Wie die Infektiologin Sue Ann Clemens, Mitglied des Komitees von Curevac, der Deutschen Presse-Agentur sagte, plant das Unternehmen mit Sitz in Tübingen, im September oder Oktober mit einer klinischen Studie in Brasilien zu beginnen. Dort soll überprüft werden, ob der mRNA-basierte Covid-19-Impfstoff wirklich das Infektionsrisiko erniedrigt.

Brasilien ist zum Testlabor der Welt geworden. Auch Phase-III-Studien der Unternehmen Astra-Zeneca, Sinovac und Biontech/Pfizer laufen dort bereits. Ein wichtiger Grund, warum die Impfstoffe ausgerechnet in dem südamerikanischen Land größtenteils in den Studienendspurt gehen, sind die ununterbrochen hohen Neuinfektionszahlen. Neben den USA ist Brasilien derzeit einer der Brennpunkte der Corona-Pandemie. Mehr als drei Millionen Menschen haben sich nach offiziellen Angaben mit dem Coronavirus infiziert, die tatsächlichen Zahlen dürften noch weit höher liegen, auch weil in dem Land sehr wenig getestet wird. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro steht wegen seines laxen Umgangs mit der Pandemie seit langem in der Kritik. Er bezeichnete die Lungenkrankheit Covid-19 als «leichte Grippe» und stemmte sich gegen Schutzmaßnahmen. Aber Brasilien verfügt auch über hervorragende Forschungsinstitutionen und war bei Gesundheitskrisen etwa durch HIV oder Zika ein Vorreiter unter den Schwellenländern.

Derweil sollen die Ergebnisse der Tübinger Phase-I-Studie von Curevac Mitte September vorliegen. Bisher laufe es sehr gut, sagte Studienleiter Professor Dr. Peter Kremsner vom Institut für Tropenmedizin am Montag. Derzeit gebe es etwa 180 Probanden, die meisten davon in Tübingen. Kremsner zufolge beginnen demnächst Phase II und III der Studie. Dann soll die Gruppe der Probanden etwa um ältere Menschen erweitert werden.

Curevac hatte nach der Mainzer Firma Biontec als zweites deutsches Unternehmen die Genehmigung für eine klinische Studie bekommen. Die Impfstoff-Studie war Mitte Juni angelaufen. In der Folge hatten sich ungefähr 4000 Freiwillige bei der Tübinger Universitätsklinik als Probanden gemeldet.

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