| Johanna Hauser |
| 08.05.2026 15:00 Uhr |
Noch nicht identifizierte Inhaltsstoffe von Cranberries konnten an im Labor gezüchteten Bakterien die Wirkung eines Antibiotikums steigern und Resistenzen verhindern. / © Getty Images/Westend61
Forschende des Institut National de la Recherche Scientifique in Montreal, Kanada, züchteten 32 humane E. coli-Stämme an und behandelten sie mit Fosfomycin (FOS) und Saft aus der nordamerikanischen Cranberry (Vaccinium macrocarpon L.). Die Zugabe des Safts hemmte bei 72 Prozent der getesteten Stämme die Entstehung von Resistenzen und verstärkte obendrein die antibiotische Wirkung. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal »Applied and Environmental Microbiology« veröffentlicht.
FOS wirkt bakterizid, indem es in den Bakterien irreversibel die Mureinbiosynthese hemmt, wodurch die Zellwand instabil wird. Dabei wird FOS über den Glycerin-3-Phosphat-Transporter (GlpT) und den Hexosephosphat-Aufnahmetransporter (UhpT) in die Bakterien geschleust.
Cranberrysaft unterdrückte die Expression von GlpT und blockierte so die entscheidende Stelle, über die E-coli Resistenzen ausbildet und seinen Energiehaushalt steuert. UhpT hingegen wurde nicht beeinträchtigt, sodass FOS weiterhin in die Bakterien eindringen konnte. Dies hatte im Laborexperiment eine verstärkte Antibiotikaaufnahme und eine verminderte Resistenzentwicklung zur Folge.
Die Ergebnisse sind auf Laborexperimente beschränkt. Sie ließen sich nicht direkt auf In-vivo- oder klinische Kontexte übertragen, schreiben auch die Autoren. Es seien weitere Studien erforderlich, um festzustellen, ob sich die im Labor gezeigten Effekte in physiologischen Modellen reproduzieren lassen. Nicht zuletzt müssten auch die für den Effekt verantwortlichen Bestandteile des Cranberrysafts identifizieren werden, um beurteilen zu können, ob ähnliche Wechselwirkungen auch mit anderen Antibiotika möglich sind.