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Britische Studien
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Covid-19 schädigt Gehirnfunktion lang anhaltend

Nach überstandener Pandemie wird SARS-CoV-2 immer häufiger als typisches Erkältungsvirus eingestuft. Patienten, die in Folge einer Infektion an Long Covid erkrankten, werden dieser Einschätzung sicher vehement widersprechen. Relativ wenig Beachtung fand bisher eine Untergruppe dieser Patienten, die unter kognitiven Einschränkungen durch eine Coronainfektion leidet. Diesem Problem widmeten sich jetzt zwei neue Studien.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 30.09.2024  15:30 Uhr

Bildgebende Beurteilung der Hirnschäden

MRI-Aufnahmen zeigten außerdem, dass die kognitiven Defizite mit Schädigungen bestimmter Gehirnregionen einhergingen, etwa im anterioren cingulären Cortex, was auf immunvermittelte Pathogenitätsmechanismen hindeutet.

Da das Virus nur sehr selten neuroinvasiv ist und es kaum belastbare Belege für SARS-CoV-2-Virionen im Gehirn gibt, nehmen die Forschenden an, dass die Auswirkungen auf das Gehirn über immunvermittelte para- und postinfektiöse Phänomene oder über indirekte Effekte durch neuropsychiatrische, psychologische und soziale Folgen der Krankheit und der besonderen Situation während der Pandemie im Allgemeinen verursacht wurden. Den Forschenden zufolge unterstreichen die Daten dieser Studie die Notwendigkeit langfristiger Überwachungs- und Behandlungsstrategien für die neurologische Gesundheit nach Covid-19.

Die Tatsache, dass die kognitiven Beeinträchtigungen zusammen mit Markern für Hirnverletzungen und einem verringerten Hirnvolumen in den MRI-Aufnahmen auftraten, deute darauf hin, dass es messbare Biomechanismen gebe, sagt Seniorautor Professor Dr. Benedict Michael in einer Mitteilung der Universität. »Jetzt arbeitet unsere Gruppe daran, zu verstehen, ob die Mechanismen, die wir bei Covid-19 identifiziert haben, auch für ähnliche Befunde bei anderen schweren Infektionen wie der Grippe verantwortlich sein könnten.«

Ergebnisse aus der Challenge-Studie

In der zweiten Studie beschreiben William Trender vom Imperial College London und Kollegen einen Teil der Untersuchungsergebnisse von 34 gesunden, seronegativen Freiwilligen, die im Rahmen einer kontrollierten Studie gezielt mit Wildtyp-SARS-CoV-2 infiziert worden waren. Die Forschenden untersuchten den kausalen Zusammenhang zwischen leichten Coronainfektionen und anhaltenden kognitiven Beeinträchtigungen. Die Teilnehmer der Challenge-Studie wurden über ein Jahr hinweg durch eine Reihe von kognitiven Tests und physiologischen Untersuchungen überwacht. Die Ergebnisse wurde jetzt im Open-Access-Magazin »eClinialMedicine« publiziert.

Von den 34 Freiwilligen, die an der Studie teilgenommen hatten, wurden 18 nachweislich mit SARS-CoV-2 infiziert, die restlichen 16 nicht. Die Teilnehmer absolvierten vor der gezielten Infektion, täglich während der Quarantäne und bei Nachuntersuchungen 30, 90, 180, 270 und 360 Tage nach der Virus-Challenge elf computergestützte Aufgaben, die so ausgelegt waren, dass verschiedene kognitive Bereiche, einschließlich Gedächtnis und exekutive Funktionen, bewertet werden konnten.

Dabei zeigte sich, dass die infizierten Testpersonen im Vergleich zu den nicht infizierten statistisch niedrigere kognitive Gesamtwerte aufwiesen, die bis zu einem Jahr nach der Infektion anhielten. Je länger bei den Testpersonen das Virus persistiert hatte, desto schlechter war der kognitive Score.

Die am stärksten betroffenen kognitiven Bereiche waren das Gedächtnis und die exekutiven Funktionen. Die Teilnehmer selbst nahmen keine anhaltenden kognitiven Symptome wahr. Explorative Analysen von Serummarkern deuteten allerdings auch bei diesen Testpersonen auf erhöhte GFAP-Werte nach der Infektion hin, was auf eine Hirnschädigung hinweist.

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