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Untersuchung

Corona-Schnelltests in der Apotheke sehr verlässlich

Auf das Testen in der Apotheke scheint Verlass zu sein: In 99,6 Prozent der Fälle ließ sich das positive Ergebnis eines dort vorgenommenen Corona-Schnelltests mittels PCR bestätigen, zeigt die Auswertung einer Apotheke aus Deutschland. Nicht medizinische Testzentren waren nicht so genau.
Daniela Hüttemann
24.01.2023  14:30 Uhr

In einer retrospektiven Kohortenstudie werteten die auf pharmazeutische Praxis spezialisierten forschenden Pharmazeuten Dr. Olaf Rose, Susanne Erzkamp und Emina Obarcanin vom Impac2t-Institut für Pharmakotherapie die Daten von 6889 Menschen aus, die mit dem Corona-Schnelltest von Anbio Biotechnology in einer Münsteraner Apotheke in der Corona-Sommerwelle 2022 per Nasenabstrich getestet wurden. Bei den 792 Personen mit positivem Schnelltest folgte eine RT-PCR zur Bestätigung des Testergebnisses. Das Ergebnis bestätigte sich in fast allen Fällen (bis auf drei Personen).

Zusätzlich testete das Apothekenpersonal auch 233 Menschen, die von anderen Testzentren zur Bestätigung eines positiven Schnelltest-Ergebnisses an die Apotheke verwiesen wurden. 217 hatten auch hier ein positives Schnelltestergebnis – und diese dann ausnahmslos einen positiven PCR-Test. 16 Personen hatten dagegen in der Apotheke ein negatives Schnelltestergebnis, was sich ausnahmslos im PCR-Test bestätigte.

Die Auswertung wurde jetzt im »International Journal of Clinical Pharmacology and Therapeutics« publiziert. Darin kommt das Autorenteam in seinen Berechnungen zu dem Schluss, dass der positive Vorhersagewert für die in der Apotheke durchgeführten Antigentests bei 99,6 Prozent lag – bei den Patienten, die aus nicht medizinischen Testzentren kamen, lag er dagegen nur bei 88,8 Prozent. Der Unterschied war statistisch signifikant.

»Die Ergebnisse zeigen, dass die Bestätigung durch Nukleinsäureamplifikation im Rahmen der derzeitigen Teststrategie in Deutschland von entscheidender Bedeutung ist«, folgern die Autoren. Es sei die erste Studie ihrer Art mit Real-World-Daten zur Performance.

Sie meinen, dass auf die PCR-Bestätigung bei aktiven Covid-19-Infektionen verzichtet werden könnte, wenn es hierzulande höhere Standards bei den Antigentests geben würde. Sprich: Schnelltests durchgeführt in Apotheken oder Arztpraxen könnten PCR-Tests überflüssig machen, während solche in nicht medizinischen Testzentren nicht zuverlässig genug seien. Damit würde das Testen insgesamt kosteneffizienter. Entscheidend ist dabei nicht nur das verwendete Testkit, sondern vor allem auch die Qualität des tiefen Nasenabstrichs durch entsprechend gut geschultes Personal. Die Autoren schlagen vor, das Testen nur den Heilberufen zu übertragen.

Einige Limitationen der Studie sind, dass nur Testergebnisse aus einer Apotheke betrachtet wurden, nur ein bestimmtes Testkit benutzt wurde und nicht für alle Getesteten auch eine PCR-Bestätigung vorlag. Die Studie lässt auch keine Aussage darüber zu, wie viele Infizierte nicht erkannt wurden (falsch negative Ergebnisse). Hierfür hätte man auch alle Personen mit negativem Schnelltest-Ergebnis mittels PCR nachtesten müssen.

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