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Schleswig-Holstein

Christiansen fordert Einhaltung des Subsidiaritätsprinzips

Versandhandelsverbot, Digitalisierung und der geschrumpfte Honorartopf für pharmazeutische Dienstleistungen: Beim Frühjahrskongress der Apothekerkammer Schleswig-Holstein in Damp positionierte sich Kammerpräsident Dr. Kai Christiansen zu den aktuellen politischen Entwicklungen.
Christiane Berg
25.03.2019
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»Die Beratung in der Apotheke ist essentiell«, sagte Christiansen. »Wir Apotheker betreiben Vollkontaktpharmazie. Wir verstecken uns nicht in gläsernen Bürotürmen, hinter Schreibtischen, wir sind für unsere Patientinnen und Patienten da«, machte der Kammerpräsident mit Verweis auf das Zitat eines Kollegen deutlich. Auch die EU-Kommission müsse endlich erkennen, dass Arzneimittelversorgung nichts mit freiem Warenverkehr zu tun habe, sondern ein hoch komplexer pharmazeutischer Vorgang ist, der Betreuung, Begleitung, Empathie und die Berücksichtigung der Besonderheiten der jeweiligen EU-Länder erforderlich macht.

Deshalb, so Christiansen, erwarte er bei dem derzeit von der EU gegen die Bundesrepublik Deutschland angestrengten Vertragsverletzungsverfahren ein »klares Handeln der Politik«. Das Zauberwort heiße »Subsidiarität«. Diese müsse gewahrt werden. »Deutschland muss wieder die Bestimmungsgewalt über sein Gesundheitswesen zurückerlangen. Wer darin eine Rolle spielen möchte, muss sich an die deutsche Gesetzgebung halten«. Das gelte auch für holländische und fremdkapitalgesteuerte Versandapotheken, betonte der Kammerpräsident.

»Wir haben nichts gegen Rx-Versandhandel, wenn dieser sich an die Regeln hält. Tut er es nicht, dann haben wir das Recht, ja sogar die Pflicht, sein Verbot zu fordern«, machte er deutlich. Diverse Gutachten bestätigten, dass dieses europarechtskonform durchsetzbar wäre. »Von uns Apothekern ist alles dazu gesagt worden. Jetzt ist es an der Politik, tatkräftig zu zeigen, dass die Arzneimittelversorgung auch in Zukunft über die Vorort-Apotheken erfolgen soll«, konstatierte er.

Aufs schärfste wandte sich Christiansen im weiteren Verlauf seiner Ausführungen auch gegen den von Presse und Politik immer wieder gestarteten Versuch, die Institution Apotheke als veraltet darzustellen. Das Gegenteil sei der Fall. Diese habe sich ständig den aktuellen Gegebenheiten angepasst, so Christiansen mit Blick unter anderem auf automatische Warenbestellung, die EDV-Verwaltung von Millionen Datensätzen der Rabattverträge, Medikationsanalysen, Onlineverfügbarkeitsabfragen oder Securpharm.

»Wo die Digitalisierung sinnvoll ist, nutzen wir sie, ohne dass das Menschliche dabei auf der Strecke bleibt«, sagte Christiansen. Er setze nunmehr auch auf die Einführung des elektronischen Rezepts, durch das die Apotheke ein Stück weit unabhängig von den jeweiligen Standorten der Ärzte werden und die AM-Versorgung in der Fläche somit noch praktikabler wird.

Christiansen äußerte sich grundsätzlich positiv zu den neuen Vorschlägen und überarbeiteten Eckpunkten von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Reformierung der Arzneimittelversorgung. Doch er kritisierte, dass die Honoraranpassung und hier insbesondere die Vergütung der Dienstleistungen nunmehr deutlich geringer als zunächst von Spahn angekündigt ausfallen soll. »Das ist inakzeptabel«, sagte er. »Wir sind Heilberufler und wollen auch als solche verstanden werden. Wir wollen unsere Zukunft mitgestalten. Dazu gehört auch, dass unsere pharmazeutischen Dienstleistungen adäquat vergütet werden«, so Christiansen. Er fordert verlässliche Rahmenbedingungen, vernünftige wirtschaftliche Perspektiven und mehr Planungssicherheit für die Apotheke.

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