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PML

Checkpoint-Inhibition möglicher Ansatz

Die Gabe eines Checkpoint-Inhibitors wie Pembrolizumab oder Nivolumab könnte bei der seltenen Hirnerkrankung progressive multifokale Leukenzephalo­pathie (PML) hilfreich sein. Mehrere Fallberichte im »New England Journal of Medicine« (NEJM) deuten jetzt darauf hin, dass die Wirkstoffe bei der Virus-vermittelten Erkrankung einen positiven Effekt haben können.
Annette Mende
11.04.2019
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PML ist eine aggressive, opportunistische Infektion des Gehirns, die vom JC-Virus verursacht wird. Mit diesem ubiquitären Polyomavirus sind die Nieren von etwa 50 Prozent der Bevölkerung infiziert, ohne dass die Betroffenen das bemerken. Bei einer Immunschwäche kann das Virus sich jedoch verändern und ins ZNS einwandern, wo es dann Gliazellen infiziert und eine PML auslöst. Die Erkrankung ist eine gefürchtete potenzielle Nebenwirkung von bestimmten Medikamenten gegen Multiple Sklerose, aber auch eine mögliche Komplikation von Immundefizienzen anderer Genese. Eine kausale Therapie existiert nicht. Die Patienten erleiden häufig schwere Behinderungen oder sogar den Tod.

Programmed Cell-Death Protein 1 (PD-1), das Target der Checkpoint-Inhibitoren, ist bei Patienten mit PML auf CD4+- und CD8+-T-Lymphozyten überexprimiert, besonders auf JC-Virus-spezifischen CD8+-T-Zellen. Somit besteht eine biomedizinische Rationale für den Einsatz der Antikörper bei PML. In der aktuellen Ausgabe des NEJM berichten nun mehrere Autorengruppen von der Anwendung eines Checkpoint-Inhibitors bei insgesamt zehn PML-Patienten. Neunmal kam Pembrolizumab zum Einsatz, einmal Nivolumab. Die Patienten, die an unterschiedlichen zugrundeliegenden Immunschwäche-Erkrankungen litten, erfuhren zum Teil eine erhebliche Besserung ihrer Beschwerden. Teilweise war die Behandlung aber auch wirkungslos (DOI: 10.1056/NEJMoa1815039, 10.1056/NEJMc1817193, 10.1056/NEJMc1816198).

Die Fallberichte seien vielversprechend, kommentiert PML-Spezialist Professor Dr. Igor J. Koralnik von der Rush-University in Chicago in einem begleitenden Editorial (DOI: 10.1056/NEJMe1904140). Sie deuteten aber darauf hin, dass für ein Ansprechen auf einen Checkpoint-Inhibitor bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein müssen, etwa die Anwesenheit von JC-Virus-spezifischen T-Zellen. Ob das auslösende Virus bei Patienten mit PML tatsächlich durch die Checkpoint-Blockade in Schach gehalten werden kann, müsse letztlich eine kontrollierte Studie klären.

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