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Juristische Analyse
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Chancen und Risiken der Apothekenreform

Das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) sieht zahlreiche Veränderungen für Apotheken vor: mehr Impfungen, flexiblere Arzneimittelabgabe und die Erleichterung der Gründung von Zweigapotheken. Rechtsanwalt und Politikberater Martin Jäger sieht darin nicht nur Chancen, sondern auch Risiken.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 27.03.2026  13:00 Uhr

In seinem Vortrag »Apothekenreform kompakt: Recht verstehen, Chancen nutzen, Risiken vermeiden« beim PZ-Management-Kongress fokussierte Jäger unter anderem auf die Kompetenzerweiterung für Apotheken sowie eine engere Einbindung in die Versorgungslandschaft.

Zwar folgt das Gesetz in weiten Teilen den Vorhaben im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung, doch die versprochene Erhöhung des Fixums auf 9,50 Euro fehlt bislang. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat aber inzwischen mehrfach betont, dass die Erhöhung umgesetzt wird. Dennoch ist die Erhöhung noch nicht erfolgt, was Anfang der Woche zu Apothekenprotesten in vier Städten geführt hat.

Laut Jäger würde die Erhöhung des Fixums zu mehr Planungssicherheit bei den Apotheken führen. Dennoch sei der Kassenabschlag zu beachten. »Was passiert denn, wenn das Fixum auf 9,50 Euro erhöht wird? Alle schreien Juhu, aber der Kassenabschlag könnte sich auch erhöhen. Darauf müssen Sie aufpassen«, warnte er. Die Stunde der Wahrheit rückt näher: Die erste Lesung des ApoVWG fand am 27. Februar im Bundestag statt. Vielleicht noch im April soll es final beraten werden.

Personaleinsatz in Apotheken – Vertretung durch PTA 

Hoch umstritten ist die geplante PTA-Vertretung. Diese ist auf maximal 20 Tage pro Jahr, höchstens zehn Tage am Stück, befristet auf fünf Jahre und bedarf einer behördlichen Genehmigung. Außerdem ist sie nur mit einer behördlichen Genehmigung zulässig, sofern im Umkreis von mindestens sechs Kilometern keine weitere Apotheke liegt.

In der Apothekerschaft sehen viele in der PTA-Vertretung ein Risiko für die »Apotheke ohne Apotheker« und damit für Qualität und Strukturen. Rechtsanwalt Jäger verglich die Hürden für die Vorgaben, die aktuell die Vertretung durch Apothekenassistenten und Pharmazieingenieure regeln. »Diese Berufe sterben jetzt aus. Der Gesetzgeber will das irgendwie substituieren«, sagte Jäger und fügte hinzu. Ein Unterschied sei, dass die Pharmazieingenieure ein Studium absolviert haben.

»Es geht nicht darum, jede hergelaufene PTA plötzlich zur Apothekenleiterin zu machen. Aber ich glaube, wenn man sicherstellt, dass PTA ordentlich ausgebildet werden, kann man diese Möglichkeit nutzen.« Er betonte jedoch auch, dass diese Regelung nicht genutzt werden müsse. 

Hans-Peter Hubmann, der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbands (DAV), widersprach hier deutlich: »Mit dieser Apothekenreform wird ein bestehender und ein in Zukunft entstehender Beruf neu in die Vertretungsbefugnis aufgenommen. Das ist ein fundamentaler Rechtsbruch und ein Bruch der ordnungspolitischen Prinzipien, weil damit erstmals ein Assistenzberuf mit der Leitung der Apotheke gleichgesetzt wird.« Auch Jäger zählt den möglichen Schaden für das Fremdbesitzverbot zu den Risiken.

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