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US-Studie

Cannabis-Patienten eine Gefährdung im Straßenverkehr

Forschern zufolge fahren in den USA viele Patienten nach Applikation von medizinischem Cannabis Auto. Auch in Deutschland dürfen Menschen auf den Straßen unterwegs sein, die Cannabis aus therapeutischen Gründen im Blut haben. Experten sind besorgt.
dpa
14.01.2019
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Für eine US-Studie, die im Fachblatt «Drug and Alcohol Dependence» erschien, wurden 790 erwachsene Cannabis-Patienten aus dem Bundesstaat Michigan nach ihren Fahrgewohnheiten in den vergangenen sechs Monaten befragt. Demnach fahren mehr als die Hälfte der Patienten Auto, kurz nachdem sie Cannabis appliziert hatten. 21 Prozent der Befragten, also rund jeder Fünfte, gab an, bereits «sehr high» am Steuer gesessen zu haben. Die Ergebnisse seien beunruhigend schreiben die Forscher der Universität Michigan und warnen vor den Gefahren von Cannabis im Straßenverkehr. Reaktionszeit und die Koordinierung litten deutlich unter dem Cannabiskonsum.

Den meisten Teilnehmern sei die Gefahr nicht bewusst, erklärte Erstautorin Erin Bonar. Die Psychologin und ihre Kollegen fordern darum eine bessere Aufklärung der Patienten. Durch den regelmäßigen Konsum bestehe besonders bei dieser Personengruppe eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie high am Straßenverkehr teilnähmen. 73 Prozent der Befragten gaben an, täglich oder fast täglich Cannabis zu nehmen. In welcher Form es konsumiert wurde, erhoben die Forscher nicht. Rund ein Viertel der Befragten schätzte, am Tag drei bis vier Stunden high zu sein.

Das Aufstellen einer Faustregel zum Cannabis-Konsum für Autofahrer stellt auch die Forscher vor Herausforderungen, wie sie berichten. Sie hätten bisher keinen Grenzwert festlegen können, der besagt, wann Cannabis-Patienten bedenkenlos ins Auto steigen dürften – ein Zustand, der medizinisch nicht angestrebt wird.

Einschränkend zu den Ergebnissen schreiben die Forscher, dass die Teilnehmer die Angaben zu ihrem Fahrverhalten aus der Erinnerung heraus gemacht hätten. Die Erkenntnisse seien zudem nicht unbedingt übertragbar, da nur Patienten aus Michigan interviewt worden seien.

Diskussion auch in Deutschland

Daten aus Deutschland zu dem Thema fehlen bisher. Die Diskussion um medizinisches Cannabis und Straßenverkehr wird jedoch auch hierzulande geführt. Seit März 2017 dürfen Ärzte in Deutschland schwerkranken Patienten derartige Präparate verschreiben, etwa gegen Schmerzen. In einigen US-Bundesstaaten ist das schon seit einigen Jahren möglich. 

Cannabis-Patienten schafften auch in Deutschland allerlei Probleme für die Verkehrssicherheit, sagt Norbert Radzanowski. Er ist Sprecher des Bunds gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr (BADS). Die Teillegalisierung von Cannabis sei mit Blick auf die Verkehrsteilnahme problematisch.

Wer Cannabis im Blut hat, muss laut Straßenverkehrsgesetz das Auto stehen lassen. Ist es aber ärztlich verschrieben und wird bestimmungsgemäß eingenommen, gilt das Fahrverbot in der Regel nicht. Ein Strafverfahren drohe jedoch den fahrenden Cannabis-Patienten, die auf Grund der Arznei-Wirkung nicht in der Lage seien, ein Fahrzeug «sicher zu führen», etwa wenn es zu Ausfallerscheinungen komme, antwortete die Bundesregierung 2017 auf eine Anfrage der Linken-Fraktion. Das könne insbesondere in der Einstellungs- und Eingewöhnungsphase dieser Medikamente geschehen. Eine Gefährdung gebe es in jedem Fall, betonte hingegen Radzanowski. Bis neue Regeln gefunden würden, fordert er darum: «Wer Cannabis konsumiert, soll sich nicht ans Steuer setzen».

DOI: 10.1016/j.drugalcdep.2018.11.016

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