| Daniela Hüttemann |
| 11.06.2026 16:20 Uhr |
Bei chronischen Kreuzschmerzen ist mit Exilby® ein neues verschreibungspflichtiges Cannabinoid-basiertes Arzneimittel zugelassen worden. / © Getty Images/Halfpoint Images
Exilby ist ein standardisierter Vollspektrum-Extrakt (VER-01) einer speziell ausgewählten Cannabis-sativa-Variante mit dem Kürzel DKJ127. Laut Hersteller, dem Münchener Unternehmen Vertanical, hat das Präparat eine eindeutig charakterisierte und spezifische Zusammensetzung aus Cannabinoiden, Terpenen und weiteren bioaktiven Pflanzenstoffen. Wie die Firma diese Woche mitteilte, hat sie die Zulassung für das Medikament zur Behandlung chronischer Kreuzschmerzen in Deutschland erhalten. Geplant sei eine Markteinführung im September in Deutschland und Österreich . Zulassungen in weiteren EU-Ländern sowie den USA seien in Vorbereitung.
Die Phase-III-Daten waren im September 2025 in den Fachjournalen »Nature Medicine« und »Pain & Therapy« vorgestellt worden. In der ersten Phase-III-Studie bekamen 820 Erwachsene mit chronischen Rückenschmerzen zunächst über zwölf Wochen entweder das Medikament oder Placebo. Dabei sank der Schmerzscore unter Placebo um 0,6 Punkte, unter Verum unter 1,9. Der Unterschied war statistisch signifikant. In der sechswöchigen Open-Label-Verlängerungsphase sank der Schmerzscore noch einmal um 2,9 Punkte. Der Effekt hielt über sechs weitere Monate an. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei Patienten mit neuropathischen Schmerzen.
In der anderen Phase-III-Studie bekamen 84 Patienten entweder das Cannabis-Präparat oder ein Opioid. Hier sank der Schmerzscore über sechs Monate unter VER-01 um 2,50 Punkte und damit stärker als unter Opioid (minus 2,16 Punkte). Besonders ausgeprägt war der Effekt bei starken Schmerzen.
»Dabei verbindet das Arzneimittel eine signifikante Schmerzreduktion mit einem günstigen Verträglichkeitsprofil und zeigte in Studien keine Abhängigkeits- und Missbrauchsrisiken, wie sie für Opioide wie Morphin oder Fentanyl typisch sind«, betont Vertanical.
Das Unternehmen plant weitere Studien und hofft perspektivisch auf Zulassungserweiterungen in anderen chronischen Schmerzindikationen, darunter diabetische Polyneuropathie und Arthrose.