| Jennifer Evans |
| 22.04.2026 08:00 Uhr |
Rauchzeichen aus der Urzeit: Fossiles Cannabisblatt Cannabis oligocaenica sorgt für gute Stimmung bei Forschenden. / © Museum für Naturkunde Berlin/Ludwig Luthardt
Bislang galt die Lage als halbwegs »gras«-klar: Cannabis sativa hat seine Wurzeln in Nordwest-China, belegt mit Pollenfunden aus dem Miozän vor rund 20 Millionen Jahren und molekularen Datierungen, die die Gattung auf bis zu 28 Millionen Jahre taxieren. Erdgeschichte – solide wie ein Fossil.
Und dann kommt ein Blattabdruck daher, mit dem Forschende des Museums für Naturkunde Berlin dieses Bild mit der Gelassenheit eines Kiffers infrage stellen. Ob es sich tatsächlich um den bislang frühesten Nachweis der Gattung handelt, wird nun geprüft. Ein »High«-light ist der Fund in jedem Fall.
Das versteinerte Stück – zwar bereits 1883 beschrieben als Cannabis oligocaenica und jetzt wiedergefunden – ist nämlich deutlich älter – und zwar etwa 56 bis 48 Millionen Jahre. Fundort: Nähe Eisleben in Sachsen-Anhalt. Nix mit Ursprung Zentralasien. Der Cannabis-Hotspot ist zum Greifen nah – auch ohne Halluzination.
Morphologisch verblüffend ähnlich ist der Fund den heutigen Cannabisblättern, doch ohne die entscheidenden Feinstrukturen – etwa die charakteristischen Härchen auf der Blattoberfläche. So oder so – das Pflanzenfossil liefert einen berauschenden Blick in die Paläobotanik.