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England

Cannabis auf Rezept kaum gefragt

In England wird wenig Medizinalhanf verschreiben. Das hat das Fachblatt »The Pharmaceutical Journal« kürzlich berichtet. Demnach sind die Ärzte zögerlich, obwohl sie bereits seit November 2018 ihren Patienten Rezepte für Präparate auf Cannabis-Basis ausstellen dürfen.
Jennifer Evans
25.01.2019
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Der britische Gesundheitsdienst National Health Service (NHS) will Ende März Zahlen liefern, wie viele Präparate mit der Substanz THC tatsächlich seit vergangenem November verschrieben worden sind. Experten erwarten allerdings, dass bis dahin nur wenige Patienten davon profitiert haben werden. Dem Fachblatt zufolge liegt das vor allem an den strengen Richtlinien, die Ärzte bei der Verschreibung befolgen müssen. Zum Umgang mit Cannabis zu medizinischen Zwecken hatten zuletzt die »British Paediatric Neurology Association« und das »Royal College of Physicians« Leitlinien erstellt.

Aufgrund der strikten Vorgaben habe seit der Gesetzesänderung kein einziger Patient mit Multiple Sklerose Cannabis erhalten. Das hält die britische Gesellschaft für Multiple Sklerose für »unglaublich frustrierend«, wie aus dem Bericht hervorgeht. Die verschreibenden Ärzte hätten das Selbstbewusstsein verloren. Außerdem gebe es Probleme, Cannabis-Produkte aus dem Ausland zu beschaffen. Nach Angaben des »Pharmaceutical Journal« tendieren bislang ohnehin eher private Ärzte in England dazu, überhaupt ein Rezept für Cannabis auszustellen.

In Deutschland sieht das ganz anders aus: die Nachfrage ist groß. Die Apotheken bekommen kaum Nachschub. Patienten müssen oft warten, bis sie ihr Rezept einlösen können.

DOI: 10.1211/PJ.2019.20205989

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