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Niedersachsen

Bürgermeister setzen sich für Apotheke im Ort ein

Auch in Niedersachsen haben einige Bürgermeister ein Statement für die Apotheke in ihren Heimatorten im Rahmen der Kampagne »Einfach unverzichtbar« abgegeben.
Daniela Hüttemann
14.12.2018
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»Die Ansprüche der Menschen an Apotheken sind so unterschiedlich wie ihre Lebenssituationen«, meint Ulrich Mädge, Oberbürgermeister der Stadt Lüneburg . »Die Fachkräfte in den Apotheken vor Ort kennen ihre Kundinnen und Kunden im besten Fall oder können im Beratungsgespräch von Mensch zu Mensch die Leistungen wirklich auf ihre Bedürfnisse ausrichten. Das halte ich für einen wichtigen Mehrwert, gerade auch in einer Stadt wie Lüneburg mit seiner vielfältigen Bewohner- und Gästestruktur.«

Berthold Tuitjer , Bürgermeister der Stadt Norden auf Baltrum, sagt in einem Video: »Vor Ort zählt gerade auf unserer Insel besonders viel.« Die pharmazeutische Versorgung sei vor allem in der Urlaubssaison zwischen Mitte März bis Ende Oktober besonders wichtig für die Insel, damit die Touristen sich im Krankheitsfall auf die gute Beratung verlassen können.« Nach Angaben des Landesapothekerverbands (LAV) Niedersachsen stand 2015 die einzige Apotheke von Baltrum kurz vor dem Aus, da sich zunächst kein Nachfolger finden ließ, der bereit war, das wirtschaftliche Risiko auf sich zu nehmen. Heute unterstützt die Gemeindeverwaltung die Apotheke, die mittlerweile als Filiale vom Festland aus geführt wird, indem sie zum Beispiel Räumlichkeiten zur Verfügung stellt. 

Auch  Heiko Schmelzle, Bürgermeister aus Norden, Ostfriesland, spricht sich für die Apotheken vor Ort aus:  »Das Netz von Apotheken in erreichbarer Nähe ist in der ländlichen Region von großer Bedeutung«, sagt Schmelzle. Ihm liegt eine verlässliche Gesundheitsversorgung vor Ort nicht nur wegen der vielen Touristen am Herzen: »Wir werden älter – vor allem hier in Ostfriesland«, erklärt er. »Das liegt zum einen am demografischen Wandel, hängt zum anderen aber auch damit zusammen, dass es viele Menschen aus ganz Deutschland im Rentenalter dauerhaft an die beliebte Nordseeküste zieht.«

Der Vorstandsvorsitzende des LAV Niedersachsen, Berend Groeneveld, ist ebenfalls mit seiner Apotheke in Ostfriesland ansässig. Er freut sich über die regionale Unterstützung: »Ich finde es wichtig, dass neben den Städten auch die ländlichen Regionen eine starke Stimme in dieser Kampagne erhalten.« Die Gewährleistung einer flächendeckenden medizinischen und pharmazeutischen Versorgung werde immer schwieriger. »Die deutschlandweit sinkenden Apothekenzahlen bedeuten nicht nur für kleinere Ortschaften einen schweren und meist unumkehrbaren Einschnitt in die lokale Gesundheitsversorgung.«

Landräte, Oberbürgermeister und Bürgermeister in ganz Deutschland setzen sich mit verschiedensten Argumenten für die Apotheken vor Ort ein. Alle Statements sind über die Kampagnen-Website www.einfach-unverzichtbar.de zu lesen, hören und zu sehen. Den vielerorts ist der Apothekenrückgang bereits spürbar, was auch die Lokalpolitiker Sorgen bereitet. »Apotheken bieten eben nicht nur Nacht- und Notdienst, sondern sind Standortfaktor, ein wichtiger Teil der Infrastruktur und als niedrigschwellige Anlaufstelle in Gesundheitsfragen unverzichtbar«, teilt der LAV Niedersachsen mit. »Viele Jung-Apotheker ziehen das Angestelltenverhältnis der Selbstständigkeit vor und wollen weder eine Apotheke gründen noch übernehmen – erst recht nicht auf dem Lande.«

Ausschlaggebend sind vor allem ordnungspolitische Rahmenbedingungen: Es fehlt an Planungssicherheit für die Apotheken. »Durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofes aus dem Jahr 2016, wonach sich ausländische Arzneimittelversender nicht mehr an die einheitlichen Preise für rezeptpflichtige Medikamente halten müssen, sind unfaire Wettbewerbsbedingungen zu Lasten der öffentlichen Präsenzapotheken entstanden«, erklärt Groeneveld. »Auch die Unklarheit, wie sich die Vergütung zukünftig entwickeln wird, spielt bei der Berufswahl junger Pharmazeuten eine wichtige Rolle.«

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