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Infektionsschutz

Bremer Senat will in Apotheken FFP2-Masken verteilen

Geht es nach dem Bremer Senat sollen Apotheken schon bald kostenfreie FFP2-Masken an besonders gefährdete Personen verteilen. Die Apotheker finden den Grundgedanken gut, haben aber einige Bedenken.
Jennifer Evans
03.11.2020  16:30 Uhr

Der Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) hatte in seiner Regierungserklärung am vergangenen Samstag angekündigt: »Wir wollen älteren Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen einfacher als bisher ermöglichen, sich mit FFP-2-Masken selber effektiv vor Ansteckungen zu schützen. Wir beraten derzeit mit der Apothekenkammer, wie sich eine möglichst gute Versorgung von Risikogruppen in die Praxis umsetzen lässt.« Angesichts der zunehmenden Infektionszahlen ist es dem Senat nach eigenen Angaben ein erklärtes Ziel, vulnerable Gruppen besser vor dem Coronavirus zu schützen.

Die Vorsitzende des Bremer Apothekerverbands, Christiane Lutter, findet die Idee zwar »sehr lobenswert«, hält aber die Umsetzung für nicht ganz so gut durchdacht, wie sie der PZ sagte. Ihre Kritik: »Die Aktion bindet Personal in der Apotheke. Dadurch fehlt Zeit für die Arzneimittelversorgung.« Sie befürchtet lange Warteschlangen vor den Offizinen. Außerdem entstünden durch die Aktion deutlich mehr Kontakte in der Apotheke, die eigentlich reduziert werden sollten, bemängelt sie.

Sichtkontrolle soll ausreichen

Wie genau die Masken-Abgabe ablaufen soll, weiß Lutter nicht. Details habe der Senat noch nicht bekanntgeben, dabei solle es ihrer Information nach schon in der kommenden Woche losgehen und »keine einmalige Aktion bleiben«, berichtet sie. Fest steht derzeit offenbar nur: »Es soll eine Sicht- und keine Ausweiskontrolle geben, um festzustellen, ob ein Apotheken-Kunde älter als 65 Jahre ist oder zu einer Risikogruppe gehört.«

Klaus Scholz, Präsident der Bremer Apothekerkammer, bestätigte auf Anfrage der PZ, dass die Gespräche mit dem Senat laufen und die Initiative derzeit »bis Ende des Jahres geplant ist«. Er sieht aber noch einige Hürden, die es vor dem Start aus dem Weg zu räumen gilt. Das betrifft zum einen die Logistik. Immerhin müssten knapp 1 Millionen Masken auf die Bremer Apotheken verteilt werden, sagte er. Und zum anderen sei noch unklar, wie konkret die Gruppe der Anspruchsberechtigten definiert sein soll. Die Kammer möchte die Gruppe stark eingrenzen, damit die Apotheken den Ansturm bewältigen können. Gelingt es, diese beiden Punkte noch bis Ende der Woche zu klären, ist Scholz optimistisch, dass die Masken-Abgabe nächste Woche starten kann.

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