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Lieferengpässe

BPI präsentiert Lösungsvorschläge

Der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) ist besorgt, weil aus Lieferengpässen zuletzt vermehrt Versorgungsengpässe entstanden sind. Daher hat er nun ein Fünf-Punkte-Papier mit Lösungsvorschlägen erstellt, die den Engpässen gegenwirken sollen.
Jennifer Evans
07.11.2019
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Das Problem von Lieferengpässen ist nach Ansicht des BPI »politisch hausgemacht«, heißt es in einem inoffiziellen Maßnahmenpapier, das der PZ im Entwurf vorliegt. »Solange Krankenkassen die Preise von Medikamenten bis in den Cent-Bereich pro Tagesbehandlung oder Packung drücken können, wird die Versorgung der Patienten gefährdet«, so der Verband. Zunehmend schlechter seien auch die »wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine Anbietervielfalt«. Aus Kostengründen müsse die Wirkstoffproduktion daher oft nach Asien abwandern.

Um die Engpässe an der Wurzel zu bekämpfen, schlägt der BPI nun vor, etwa die Liefersicherheit in Krankenhäusern zu verbessern. Demnach soll sowohl der Apothekenbetreiber als auch die pharmazeutische Industrie mit entsprechenden Vertragsbedingungen dazu beitragen. »Dazu gehören unter anderem belastbare Abnahmeprognosen und eine Preisgestaltung unter Berücksichtigung der gewährleisteten Lieferfähigkeit der Produkte.« Ähnliche Empfehlungen hatte vor Kurzem der Jour Fixe beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erarbeitet.

Darüber hinaus fordert der BPI in seinem Papier flexiblere Möglichkeiten bei der Zulassung alternativer Wirk- oder Hilfsstoffquellen. Auch sollte bei einem drohenden Engpass der Wechsel der Herstellerstätte möglich sein – ohne, dass hohe bürokratische Hürden zu Verzögerungen führen. Außerdem pocht der Verband darauf, die Arzneimittelproduktion in Europa zu stärken. Ziel der Politik müsse es sein, eine entsprechende Vergütung zu garantieren. Geht es nach dem BPI, müsste bei den Rabatt-Ausschreibungen der Kassen der Zuschlag ohnehin verpflichtend an ein pharmazeutisches Unternehmen mit Produktionsstätte in Europa gehen. Darin sieht der Verband auch »einen Beitrag zur Nachhaltigkeit«.

Grundsätzlich sollte der Gesetzgeber regeln, die Zuschläge der Kassen auf mindestens drei Anbieter zu verteilen, meint der BPI. Es sei wichtig, dass nicht alle Anbieter beim gleichen Wirkstoffhersteller einkauften. »Daher dürfen Rabatt-Ausschreibungen erst möglich sein, wenn mindestens vier Anbieter am Markt sind, die ihre Wirkstoffe aus mindestens zwei unterschiedlichen Wirkstoffquellen beziehen«, heißt es in dem Papier.

Zuletzt hatten sich auch die Fraktionen CDU und SPD in eigenen Positionspapieren zum Thema Lieferengpässe geäußert.

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