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Herausforderungen der Apothekerschaft

BPhD im Gespräch mit ABDA-Präsidentin

Was sind die größten Herausforderungen, denen die deutsche Apothekerschaft gegenübersteht und welche Lösungsansätze gibt es? Über diese Frage sprach Roman Pratzka, der Beauftragte für Gesundheitspolitik beim Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD), mit ABDA-Präsidentin Gabriele Regina Overwiening im Juni dieses Jahres. In einer Pressemitteilung informierte der BPhD am gestrigen Montag über die Kernaussagen des Gesprächs.
Carolin Lang
12.10.2021  09:00 Uhr

Demnach betonte Overwiening wie wichtig eine Intensivierung der interprofessionellen Zusammenarbeit zwischen Pharmazeuten und Medizinern künftig für das Wohl der Pateinten sei, beispielsweise bei Medikationsanalysen als mögliche pharmazeutische Dienstleistung. Der Grundstein dazu solle bereits früh im Studium gelegt werden, meint auch der BPhD und schlägt unter anderem gemeinsame Vorlesungen und Seminare für Studierende beider Fachrichtungen sowie ein gemeinsames Besprechen von Patientenfällen vor.

In puncto Interprofessionalität kam auch das Thema Grippeimpfungen in Apotheken zur Sprache. Die ABDA-Präsidentin zeigte sich zuversichtlich, dass in Zusammenarbeit mit Medizinern eine verstärkte Einbringung der Apothekerschaft beim Impfen erreicht werden könne. »Die Ärzte und Ärztinnen werden erkennen, dass wir ihnen keine Impflinge wegnehmen, sondern eine andere Klientel erreichen – unser Impfangebot wird eine Ergänzung sein«, sagte sie im Interview. Erst kürzlich hat sich der Ton in der Ärzteschaft hierzu deutlich verschärft.

Pharmazeutische Dienstleistungen seien laut Overwiening eine »weitere verlässliche Säule des apothekerlichen Angebots an die Gesellschaft«, auf welcher aufgebaut werden könne. Die Initiative für die Etablierung liege vor allem bei den Apotheken vor Ort, die ihren Handlungsspielraum nutzen können und sollten, heißt es weiter. Der BPhD sieht pharmazeutische Dienstleistungen in Zukunft als essenziellen Bestandteil der Arbeit in der Apotheke an, durch die pharmazeutische Kompetenzen besser genutzt werden könnten und die Apotheke somit als potenzieller Arbeitsplatz attraktiver werde. Der DAV und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hatten monatelang darüber verhandelt, welche pharmazeutischen Dienstleistungen ab dem Jahr 2022 flächendeckend angeboten und vergütet werden sollen. Da die Verhandlungen kürzlich geplatzt sind, soll nun eine Schiedsstelle darüber entscheiden. Diese Entscheidung erwarte der BPhD mit Spannung, heißt es in der Mitteilung.

Zudem führte die ABDA-Präsidentin immer wieder auftretende Lieferengpässe als Problem an, das Apotheken viel Zeit koste. Patienten hätten teilweise wenig Verständnis, wenn infolge von Lieferengpässen auf ein anderes Präparat ausgewichen werden müsse. Ein Zurückholen der Arzneimittelproduktion nach Europa halte Overwiening in diesem Zusammenhang zwar für erstrebenswert, aber derzeit noch für unrealistisch.

Als zentrales Problem stehe außerdem die Coronavirus-Pandemie im Raum. Overwiening bedankte sich bei der Apothekerschaft, die viel zur Bewältigung der Pandemie beigetragen und eine Vielzahl von zusätzlichen Aufgaben übernommen habe und weiterhin übernehme.

»Mit dem starken Nachwuchs, den ich kommen sehe, bin ich davon überzeugt, dass wir die Probleme, die kommen, als Herausforderung annehmen und als Chance für die deutsche Apothekerschaft zu nutzen schaffen«, sagte sie abschließend. Das gesamte Interview ist in der aktuellen Ausgabe des Grüne-Hand-Briefs (GHB) vom 11. Oktober sowie auf der Homepage des BPhD zu finden.

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