| Johanna Hauser |
| 20.07.2026 11:00 Uhr |
Sind bestimmte Blutwerte im Kindesalter erhöht, kann dies ein Hinweis auf später auftretendes Asthma oder bronchiale Hyperreagibilität sein. / © Getty Images/HAYKIRDI
Asthma ist eine chronisch-entzündliche Atemwegserkrankung, die in der Regel bereits im Kindesalter auftritt. Blutwerte wie Eosinophile und Immunglobulin E (IgE) sind gemäß Nationaler Versorgungsleitlinie Asthma wichtige Biomarker für Entzündungen der Atemwege.
Ein Team um Dr. Trine Mølbaek-Engbjerg vom Universitätsklinikum Herlev und Gentofte untersuchte, ob sich im Blut von Kindern bereits Auffälligkeiten zeigen, bevor sie an Asthma erkranken. Dazu bestimmten die Forschenden die Blutspiegel von Neutrophilen, Lymphozyten, Eosinophilen, Thrombozyten sowie der Immunglobuline IgE, IgA, IgM und IgG bei Kindern im Alter von vier, fünf, sechs, sieben, zwölf und 18 Jahren. Anschließend verglichen sie die Daten mit vorhandenen Asthmadiagnosen, Atemwegsobstruktionen, Typ-2-Atemwegsentzündungen und bronchialer Hyperreagibilität im Alter von 18 Jahren.
Herangezogen wurden Daten von 411 Kindern aus einer dänischen Geburtskohorte. Die Analyse zeigte, dass erhöhte Spiegel von Eosinophilen, IgE und Neutrophilen über die Kindheit hinweg mit einem erhöhten Risiko für eine spätere Asthmaerkrankung verknüpft waren. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal »Thorax« veröffentlicht.
Der stärkste Zusammenhang bestand für Eosinophile und den Anstieg von IgE. Kinder mit dauerhaft höheren Eosinophilen oder zunehmendem IgE hatten mit 18 Jahren häufiger Asthma. So war das Asthmarisiko bei erhöhter Eosinophilenzahl um 51 Prozent erhöht. Ein höherer IgE-Spiegel war mit einem um 28 Prozent erhöhten Risiko verbunden, ein steigender IgE-Verlauf gar mit einem um 37 Prozent höheren Risiko. Bei steigender Neutrophilenzahl in der Kindheit war das Risiko einer Asthmaerkrankung um 30 Prozent erhöht.
Zusätzlich waren erhöhte Eosinophilenspiegel und IgE-Werte mit stärkeren Anzeichen einer Typ-2-Atemwegsentzündung verbunden, die für Asthma typisch ist. Als Marker diente ausgeatmetes Stickstoffmonoxid (FeNO). Erhöhte Eosinophilenwerte, höheres und ansteigendes IgE waren mit klinisch relevanten Anstiegen von FeNO assoziiert, gleichzeitig reduzierte eine erhöhte Thrombozytenzahl das forcierte exspiratorische Volumen in 1 Sekunde (FEV1) um 0,07 Liter und wies somit auf eine schlechtere Atemwegsfunktion hin.
Ein steigender IgE-Verlauf machte die Atemwege zudem empfindlicher. Die Bronchien reagierten stärker auf Reize und zeigten häufiger die für Asthma typische bronchiale Hyperreagibilität. Für andere Immunwerte wie Lymphozyten, IgG, IgA und IgM fanden die Wissenschaftler keine konsistenten Zusammenhänge mit Asthma oder den untersuchten Lungenfunktionsparametern.
Die Studie legt nahe, dass sich das spätere Asthma- und Entzündungsrisiko bereits in der Kindheit in bestimmten Blutwerten widerspiegelt. Somit könnten Werte wie IgE und Eosinophile zukünftig als Marker dienen, um Kinder mit einem erhöhten Risiko für Asthma zu identifizieren.