Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Wearable-Technologie
-
Blutwerte ermitteln ohne Blutabnahme

Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung und Blutdruck – einige Parameter können gängige Wearables für Konsumenten bereits gut erfassen. In Zukunft könnten auch noch Blutwerte wie Glucose, Lactat oder Cortisol hinzukommen.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 02.09.2026  07:00 Uhr

Wie gesund ist das Herz, wie steht es um den Stoffwechsel oder die Fitness? In der Medizin ist der Zugang zu oder die Sichtbarkeit von Gesundheitsparametern entscheidend. Wearables wie Smartwatches, Armbänder oder Ringe bieten hier ganz neue Möglichkeiten des Monitorings – direkt am Körper, rund um die Uhr und in Echtzeit. Eine begrenzte Auswahl an Parametern ist schon fest etabliert. Dazu gehören die Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität, Sauerstoffsättigung (SpO₂), Hauttemperatur und bei wenigen Modellen auch der Blutdruck.

Genutzt werden für die Messungen verschiedene Sensoren und Methoden, vor allem die Photoplethysmografie (PPG). Bei dieser Methode wird Infrarotlicht durch die Haut auf das Blut gestrahlt und dessen Reflexion gemessen. Da der Blutfarbstoff Hämoglobin Infrarotlicht absorbiert, verändern sich die Reflexionswerte je nach Blutmenge, wodurch das Gerät die Pulswellen berechnet und daraus die Herzfrequenz oder den Blutdruck ableiten kann. Auch die Sauerstoffsättigung im Blut wird auf diese Weise ermittelt.

Manche Geräte können auch per Einkanal-Elektrokardiogramm (EKG) die elektrische Aktivität des Herzens erfassen und darüber Herzrhythmusstörungen erkennen. In Studien haben sich verschiedene Systeme etwa in der Diagnostik von Vorhofflimmern als sehr nützlich erwiesen. Etabliert ist zudem die Messung der Hauttemperatur über einen entsprechenden Temperatursensor.

Der nächste Schritt: biochemische Parameter

Einen Schritt weiter als die Erfassung dieser Herz-Kreislauf-Parameter geht die nicht invasive Bestimmung von Blutwerten wie Blutzucker, Elektrolyten oder Lactat mithilfe von Wearables, die derzeit intensiv erforscht wird. Etabliert ist bereits das kontinuierliche Glucosemonitoring (CGM) aus der interstitiellen Flüssigkeit, für das eigene tragbare Sensoren nötig sind. Über Smartwatches oder Ringe lässt sich der Blutzucker aktuell noch nicht zuverlässig bestimmen.

Das kann sich in Zukunft ändern, denn gerade an Ringen, die biochemische Marker aus dem Schweiß analysieren, wird aktuell gearbeitet. Vor Kurzem stellte ein Team der University of California San Diego im Fachjournal »Nature Communications« einen smarten Ring vor, der kontinuierlich Glucose, Ketone, Ascorbinsäure, Harnsäure, Lactat und Alkohol aus passiv osmotisch gewonnenem Schweiß misst. Die kontinuierliche Messung war über zwölf Stunden möglich und die personalisierte Kalibrierung über zwei Monate stabil, berichtet das Team. Die Glucose- und Ketonmessungen des Rings verglichen die Forschenden mit denen von handelsüblichen Blutzuckermessgeräten und CGM-Systemen. Dabei war die Genauigkeit des Rings mit der etablierter Geräte sowohl bei gesunden Personen als auch bei Personen mit Typ-1-Diabetes vergleichbar.

Die Autoren sehen aber noch einigen Entwicklungs- und Validierungsbedarf: Die Konstruktion müsse so weiterentwickelt werden, dass sie wasserdicht wird und Messungen über einen deutlich längeren Zeitraum gewährleistet. Zudem müsse noch eine klinische Validierung des Prototyps an größeren Kohorten erfolgen.

Andere Forschungsprototypen messen Hormone wie Cortisol, Entzündungsmarker oder Hämoglobin aus Schweiß, Speichel oder Tränen. Interessant sind vor allem Entwicklungen, die die Hämoglobinkonzentration messen, weil diese einen wichtigen Marker für die Diagnose einer Anämie und für die Beurteilung der kardiovaskulären Gesundheit darstellt.

Das ist zum Beispiel optisch über PPG möglich, wie ein chinesisches Team im März 2026 in einer Publikation im Journal »Scientific Data« zeigte. Das Team legte einen Datensatz mit PPG-Messungen und Hb-Werten vor, mit dessen Hilfe ein Algorithmus erstellt werden soll, der die Hämoglobinwerte optisch abschätzt.

Mehr von Avoxa