| Kerstin A. Gräfe |
| 04.03.2026 07:00 Uhr |
Aufmerksamkeit gilt auch dem Herzen: Unter der Behandlung kann die Funktion des linken Ventrikels (linksventrikuläre Ejektionsfraktion, LVEF) abnehmen. Um sicherzustellen, dass die LVEF innerhalb der normalen Grenzen bleibt, sollte sie vor Therapiebeginn bestimmt und anschließend in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Nimmt die LVEF ab und erholt sich nicht oder verschlechtert sich sogar, ist die Dosis entsprechend den Empfehlungen in der Fachinformation anzupassen.
Die Anwendung von Zanidatamab während der Schwangerschaft oder bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, wird nicht empfohlen. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und für einen Zeitraum von vier Monaten nach der letzten Dosis eine wirksame Verhütungsmethode anwenden. Bei Patientinnen in der Stillzeit muss individuell entschieden werden, ob das Stillen ausgesetzt oder die Behandlung unterbrochen werden soll. Dabei ist sowohl der Nutzen des Stillens für das Kind als auch der Nutzen der Therapie für die Frau zu berücksichtigten.
Basis der bedingten Zulassung sind die Daten der offenen, einarmigen Phase-IIb-Studie ZWI-ZW25-203 (Studie 203) an 62 Patienten mit lokal fortgeschrittenem, nicht resezierbarem oder metastasiertem biliären Karzinom, deren Erkrankung nach mindestens einer Chemotherapie mit Gemcitabin fortgeschritten war oder nicht mehr ansprach. Sie erhielten alle zwei Wochen Zanidatamab in einer Dosis von 20 mg/kg intravenös. Als primärer Endpunkt war die bestätigte objektive Ansprechrate definiert (confirmed Objective Response Rate, cORR). Einer der sekundären Endpunkte war die Dauer des Ansprechens (Duration of Response, DoR).
Die cORR lag nach 34 Monaten bei 52 Prozent (32 Patienten), wobei 4,8 Prozent (drei Patienten) vollständige Remissionen und 46,8 Prozent (29 Patienten) partielle Remissionen erreichten. Die mediane DoR lag bei 14,9 Monaten.
Zu den sehr häufigen Nebenwirkungen zählen Durchfall, infusionsbedingte Reaktionen, Bauchschmerzen, Anämie und Müdigkeit.
Das Präparat ist im Kühlschrank bei 2 bis 8 °C zu lagern.
Zanidatamab ist eine neue HER2-gerichtete Therapie. Das Wirkprinzip ist also nicht grundlegend neu. Dennoch kann der Antikörper vorläufig als Schrittinnovation bezeichnet werden. Neu ist zum Beispiel, dass der bispezifische Antikörper mit beiden »Armen« zum HER2-Rezeptor greift. Auch das Einsatzgebiet und die Studiendaten rechtfertigen diese Einstufung.
Patienten mit HER2-positivem biliärem Karzinom, deren Erkrankung nach einer Erstlinientherapie fortschreitet, haben in der Regel eine schlechte Prognose mit begrenzten Behandlungsmöglichkeiten und einer medianen Gesamtüberlebenszeit von nur wenigen Monaten. Zanidatamab – die erste HER2-gerichtete Therapie, die in der EU überhaupt eine Zulassung für HER2-positive biliäre Karzinome erhalten hat – ist eine willkommene neue Therapieoption für diese Patientengruppe. In der Zulassungsstudie betrug die mediane Ansprechdauer 14,9 Monate und die durchschnittliche Gesamtüberlebenszeit 15,5 Monate.
Gut möglich, dass das Innovationspotenzial von Zanidatamab noch wachsen wird. Eine derzeit laufende Phase-III-Studie untersucht den Antikörper in Kombination mit einer Standard-Erstlinienbehandlung bei Patienten mit HER2-positivem biliärem Karzinom. Zudem wird er in mehreren klinischen Studien als zielgerichtete Behandlungsoption für Patienten mit soliden Tumoren, die HER2 exprimieren, entwickelt.
Sven Siebenand, Chefredakteur