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Alzheimer-Gesellschaft

Bessere Demenz-Prognose dank verstärkter Prävention

Demenzerkrankungen nehmen weniger stark zu als bislang angenommen. Das zeigt eine neue Prognose der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft. Eine wichtige Stellschraube dabei ist, was jeder selbst zur Demenzvorsorge tun kann.
Christiane Berg
01.07.2020  12:00 Uhr

In Abhängigkeit vom demografischen Wandel wird sich die Zahl der Demenz-Erkrankten bis 2050 auf 2,4 bis 2,8 Millionen erhöhen, sofern kein Durchbruch in der Prävention und Therapie gelingt. Epidemiologen sind bisher von rund drei Millionen ausgegangen. Als Grund für den verlangsamten Anstieg wird ein insgesamt besserer Gesundheitszustand der Bevölkerung diskutiert. So macht die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) in einem Informationsblatt zur Häufigkeit von Demenzerkrankungen deutlich.

»In Deutschland leben nach jüngsten Schätzungen rund 1,6 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Die meisten von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. Durchschnittlich treten Tag für Tag etwa 900 Neuerkrankungen auf, die sich im Laufe eines Jahres auf 300.000 summieren«, heißt es in diesem Papier, das auf Berechnungen des Epidemiologen Dr. Horst Bickel beruht. Die Erhöhung der Krankenzahl bis 2050 auf 2,4 bis 2,8 Millionen entspreche einem mittleren Anstieg der Zahl der Erkrankten um 25.000 bis 40.000 pro Jahr oder um 70 bis 110 pro Tag und sei somit nicht so steil wie bislang befürchtet. Zweifellos sei die Zahl der Demenzerkrankten in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen. Doch lasse sich dieser Anstieg durch die höhere Lebenserwartung sowie die zunehmende Zahl von älteren Menschen erklären.

Persönliches Demenzrisiko senken

Das altersspezifische Erkrankungsrisiko habe dagegen nicht zugenommen. Im Gegenteil: Aus einer wachsenden Zahl von Studien gebe es vielmehr Hinweise auf eine rückläufige Erkrankungswahrscheinlichkeit in den westlichen Ländern mit Verminderungen der Inzidenzraten um bis zu 35 Prozent. Als Ursachen für ein abnehmendes Krankheitsrisiko seien vor allem verbesserte Lebensbedingungen, mehr Bildung, gesündere Ernährung, Verzicht auf Alkohol- und Nikotinkonsum, eine größere körperliche, soziale und geistige Aktivität sowie die Prävention und frühzeitige Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sehen.

Es sei allerdings noch unklar, ob sich der Trend bestätigen oder dieser möglicherweise auch gestoppt werden wird. In den westlichen Ländern könnten vor allem die Zunahme von Übergewicht und Diabetes mellitus als bekannte Demenz-Risikofaktoren die Entwicklung gefährden.

Betont wird, dass auch aktuelle Berechnungen von Alzheimer Europe (2019) auf leicht sinkende Prävalenzraten hindeuten. Es bleibe allerdings noch offen, ob die geringeren Prävalenzraten in erster Linie ein abnehmendes Erkrankungsrisiko widerspiegeln oder ob sie durch methodische Unterschiede sowie divergierende Stichproben und Diagnosekriterien der vorliegenden Studien zu erklären sind.

So oder so: »Es gibt Hoffnung, dass ein größeres Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung günstige Auswirkungen auf die Entwicklung hat«, betont Bickel in einer aktuellen Pressemitteilung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft. »Uns machen die neuen Zahlen Mut«, unterstreicht auch die Erste Vorsitzende der DAlzG, Monika Kaus, die gleichermaßen auf die große Bedeutung der Vorbeugung durch gesunde Lebensführung verweist. »Auch wenn es keine Maßnahmen gibt, mit denen man gänzlich ausschließen kann, jemals an irgendeiner Form der Demenz zu erkranken, ist Prävention sinnvoll und wichtig. Wir würden uns wünschen, dass dies noch von viel mehr Menschen ernst genommen wird.«

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