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Multiple Sklerose

Besser verträgliche Fumarat-Therapie kommt

Ab Januar 2022 wird es ein neues orales Medikament für die Fumarat-Therapie bei schubförmig remittierend verlaufender Multipler Sklerose (RRMS) im Handel geben. Diroximelfumarat (Vumerity™) ist eine Weiterentwicklung von Dimethylfumarat (Tecfidera®) und punktet durch bessere gastrointestinale Verträglichkeit.
Sven Siebenand
20.12.2021  13:00 Uhr

Beide Wirkstoffe werden im Körper durch Esterasen zum aktiven Hauptmetaboliten Monomethylfumarat (MMF) umgewandelt. Grundlage der Zulassung von Vumerity waren die Ergebnisse pharmakokinetischer Überbrückungsstudien, die zeigten, dass Diroximelfumarat und Dimethylfumarat (DMF) in Bezug auf die Exposition gegenüber MMF vergleichbar sind. Daher wird davon ausgegangen, dass die Wirksamkeitsprofile ähnlich sind. Bei beiden Fumaraten wird auch ein Monitoring der Lymphozytenzahlen empfohlen.

Vorteile bietet Diroximelfumarat hinsichtlich der Verträglichkeit. Denn Tecfidera bereitet nicht wenigen Patienten gastrointestinale Beschwerden, da beim Abbau zu MMF auch Methanol entsteht. Bis zu 14 Prozent der Patienten brechen die Therapie ab, hieß es auf einer Pressekonferenz der Firma Biogen, Hersteller beider Präparate.

Eine randomisierte und doppelblinde Phase-III-Studie über fünf Wochen hat die gastrointestinale Verträglichkeit der beiden Fumarate bei RRMS-Patienten direkt verglichen. Die Ergebnisse zeigten unter Diroximelfumarat im Vergleich zu DMF eine geringere Rate gastrointestinaler Ereignisse (35 Prozent versus 49 Prozent). Die Abbruchraten aufgrund von Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt betrugen in dieser kurzen Studie unter Diroximelfumarat 0,8 Prozent, verglichen mit 4,8 Prozent unter DMF.

Auch im Alltag sowie im Berufsleben zeigten sich die Vorteile von Diroximelfumarat: Man fand weniger Beeinträchtigung von Alltagsaktivitäten durch GI-Symptome und einen geringeren Einfluss auf die Arbeitsproduktivität als unter DMF. Wie Dr. Birte Elias-Hamp, Praxis für Neurologie und Psychiatrie in Hamburg, informierte, benötigten auch deutlich weniger Patienten der Diroximelfumarat-Gruppe eine Begleitmedikation, etwa Antacida, zur Behandlung der GI-Symptome.

Laut Biogen wird auch Tecfidera im Handel bleiben. Wie Elias-Hamp verdeutlichte, gelte es nicht, zukünftig jeden DMF-Patienten auf das neue Fumarat umzustellen. Vielmehr plädierte die Medizinerin dafür, an das neue Medikament zu denken, wenn MS-Patienten erstmals auf eine Fumarat-Therapie eingestellt werden. Gegebenenfalls sei ein Wechsel zum neuen Fumarat zu erwägen, wenn Patienten unter DMF dauerhaft Probleme im GI-Trakt aufweisen.

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