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Impfstrategie
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Berliner Grüne wollen Coronavirus-Impfungen in Apotheken

Aus Sicht der Berliner Grünen sollten auch Apotheken mittelfristig in allen Kiezen der Hauptstadt gegen das Coronavirus impfen. Ihren Vorstoß will die Regierungspartei nun mit den Koalitionspartnern abstimmen. Auch mit den Apothekern der Hauptstadt stehen die Grünen bereits im Gespräch.
AutorKontaktStephanie Schersch
Datum 18.01.2021  18:00 Uhr

Seit Kurzem wird in Deutschland gegen das Coronavirus geimpft. Nicht überall gingen die Impfzentren problemlos in Betrieb, auch in Berlin hatten sie zunächst einen etwas holprigen Start. Inzwischen haben immerhin drei der sechs Berliner Zentren ihre Arbeit aufgenommen. Neben der Vakzine von Biontech und Pfizer kommt dort seit Kurzem auch der Wirkstoff des US-Herstellers Moderna zum Einsatz.

In den kommenden Wochen dürften sich die Prozesse vor Ort weiter einspielen. Derzeit gehen immer mehr Einladungen heraus, mit denen zunächst Ältere und Chroniker Zugang zur Impfung erhalten. Mittelfristig sollen sich dann auch alle anderen Impfwilligen immunisieren lassen können. In Berlin wollen die Grünen die Impfstrategie in dieser Phase neu ausrichten. So sollen Impfungen dann nicht mehr nur in den Zentren und schließlich beim Hausarzt möglich sein, sondern auch in den Apotheken der Hauptstadt.

Angebot in allen Kiezen

»Wir wollen in die Fläche gehen und einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zur Impfung ermöglichen«, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Berliner Grünen, Catherina Pieroth im Gespräch mit der PZ. Eine Impfung in der Apotheke könne »ein tolles Angebot in allen Berliner Kiezen werden«. Vor allem mobil eingeschränkte Personen und Menschen mit Behinderung könnten davon profitieren. Zunächst allerdings wird das noch nicht möglich sein. So sind die bislang verfügbaren Vakzine anspruchsvoll in der Handhabung und müssen mitunter stark gekühlt werden. Zudem erfolgen die Impfungen derzeit nach einem festen Schema und über die Vergabe von Terminen gebündelt ausschließlich in den Impfzentren sowie über die mobilen Impfteams.

Im Laufe der kommenden Monate wird sich das allerdings ändern. »Wir wollen Apotheken einbinden, sobald Impfstoffe auf dem Markt sind, die einen solchen Schritt erlauben«, so Pieroth. In Deutschland impfen Apotheker derzeit im Rahmen verschiedener Modellprojekte ausschließlich gegen die Grippe. Die Pilotprojekte stützen sich dabei auf das Masernschutzgesetz, das solche Vorstöße ausdrücklich erlaubt. Für reguläre und flächendeckende Impfungen in der Apotheke fehlt jedoch bislang der rechtliche Rahmen.

Apotheker in den Startlöchern

Das ist auch den Berliner Grünen bewusst. Grundsätzlich sehe sie keine Probleme, wenn Apotheker Covid-19-Imfpungen übernehmen, so Pieroth. Sie hat in einem ersten Schritt bereits Kontakt zum Berliner Apothekerverein (BAV) aufgenommen, um die Möglichkeiten für Impfungen in der Offizin auszuloten. Ein Modellprojekt zur Grippeimpfung gibt es in der Hauptstadt derzeit nicht. Pieroth zufolge haben dennoch rund 30 Apotheker bereits eine entsprechende Fortbildung besucht und seien geschult im Impfen. Der BAV selbst möchte sich vorerst nicht zu der Idee der Grünen äußern. Tatsächlich steckt der Vorstoß noch in den Kinderschuhen. Zuletzt hatte Pieroth das Thema bereits im Abgeordnetenhaus im Rahmen einer Plenarsitzung angesprochen. Bevor konkrete Schritte folgen können, müssen die Grünen ihren Vorschlag nun aber erstmal mit SPD und Linken abstimmen, den Koalitionspartnern im Berliner Senat.

In anderen europäischen Ländern ist man Deutschland bei diesem Thema  weit voraus. So wird etwa in Großbritannien bereits in zahlreichen Offizinen geimpft. Auch in der Schweiz drängen die Pharmazeuten auf eine Einbindung in die nationale Impfkampagne. Rund 2500 Apotheker sollen nach Angaben des dortigen Apothekerverbands Pharmasuisse eine entsprechende Impf-Ausbildung haben.

 

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