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Gesunder Lebensstil

Beim Arzt wird viel geflunkert

Eine US-amerikanische Studie hat ergeben: 60 bis 80 Prozent der Patienten sagen im Sprechzimmer nicht immer die Wahrheit. Demnach lügen sie vor allem dann, wenn der Arzt sich nach ihren sportlichen Aktivitäten, ihren Ernährungsgewohnheiten oder ihrem Alkoholkonsum erkundigt.
Jennifer Evans
03.12.2018
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Geradezu vorbildlich scheinen einige Patienten zu leben – das soll zumindest ihr Arzt glauben. Wie sich bei einer Online-Umfrage unter mehr als 4500 Erwachsenen herausgestellt hat, lügen viele nicht nur, wenn es um ihre Fitness- und Ernährungsgewohnheiten geht, sondern verschweigen auch, dass sie etwa Nahrungsergänzungsmittel schlucken. Besonders häufig schummeln Frauen, jüngere Menschen sowie all jene, die ihren Gesundheitszustand selbst als schlecht beurteilen. Das belegen die Studienergebnisse, die das Journal »Jama Network Open« nun veröffentlicht hat.

Die Befragten entschuldigen ihre Lügen damit, dass sie von ihrem Arzt nicht verurteilt oder ermahnt werden möchten. Auch wollen sie sich die Belehrungen des Mediziners ersparen oder nicht von ihm hören, wie schädlich ihr Verhalten ist. Vielen ist es aber der Umfrage zufolge einfach nur peinlich, dem Arzt die Wahrheit zu sagen. Die meisten Menschen wollen, dass ihr Arzt eine gute Meinung von ihnen hat, erklärt Angela Fagerlin von der University of Utah in Salt Lake City, die an der Studie beteiligt war. Die Forscher befragten zwei Gruppen von Patienten. In der ersten Gruppe waren 2011 Personen im Alter von durchschnittlich 36 Jahren, zur zweiten gehörten 2500 Personen, die im Schnitt 61 Jahre alt waren.

Die Schuld an der derzeitigen Situation sieht Fagerlin aber nicht allein beim Patienten. Genauso müsse auch der Arzt für ein besseres Vertrauensverhältnis sorgen. Hielten Patienten etwa Informationen über ihre Ernährung zurück, habe dies signifikante Auswirkungen auf die Gesundheit – besonders bei chronisch Kranken, betonte die Hauptautorin der Studie, Andrea Gurmankin Levy, vom Middlesex Community College in Middletown im US-Bundesstaat Connecticut. Falsche Angaben führten außerdem dazu, dass der Arzt keinen korrekten medizinischen Rat geben könne, warnt sie. Um den Problemen auf den Grund zu gehen, wollen Fagerlin und Levy die Studie sogar wiederholen. Unter anderem erhoffen sie sich so Aufschluss darüber, ob Patienten womöglich offener mit Ärzten umgehen, die sie gut kennen.

DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2018.5293

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