Die Bayerische Versorgungskammer ist für die Altersversorgung mehrerer selbstständiger Berufe zuständig. Dazu zählen etwa neben Apothekerinnen und Apothekern auch Anwältinnen und Anwälte sowie Ärztinnen und Ärzte. / © Imago/Sven Simon
Nach den Verlusten der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) mit US-Immobilien wollen besorgte Kunden eine unabhängige Sonderprüfung bei der Behörde durchsetzen. Der Münchner Rechtsanwalt Peter Mattil wirft der Kammer vor, jegliche Auskünfte zu blockieren. Deswegen stellte der Jurist eine Klage vor dem Verwaltungsgericht in Aussicht. »Wir werden einen Wirtschaftsprüfer aussuchen und mit der Prüfung beginnen, sobald das Verwaltungsgericht uns recht gibt«, schrieb Mattil auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa.
Die Versorgungskammer führt die Altersversorgung mehrerer Berufe und staatlicher Einrichtungen. Neben den bayerischen Apothekerinnen und Apothekern sind etwa auch die bayerischen Rechtsanwälte dort versichert, so auch Mattil selbst. Die Kammer hatte wegen missglückter Immobiliengeschäfte in den USA 163 Millionen Euro abgeschrieben und weitere Risiken in Höhe von 690 Millionen Euro eingeräumt. In Summe geht es in den USA um Investitionen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro, ein kleiner Teil der gesamten Kapitalanlagen von 122 Milliarden Euro. Zuletzt hatte die BVK versichert, trotz der US-Fehlinvestitionen bestehe keine Gefahr für die Altersversorgung der Versicherten.
Mattil und sein Anwaltskollege Stephan Greger fürchten jedoch, dass die Probleme in den USA nur die Spitze des Eisbergs sein könnten. »Wir wollen eine sogenannte Sonderprüfung durchsetzen und alle Investitionen der BVK durchleuchten«, heißt es in der Mitteilung der Juristen.
Bekanntes Beispiel einer Sonderprüfung aus den vergangenen Jahren ist die Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG bei Wirecard, die im Frühjahr 2020 eine Vielzahl an Mängeln und ungeklärten Buchungen in Milliardenhöhe zutage gefördert hatte – wenige Monate später hatte der damalige Dax-Konzern Insolvenz angemeldet.
Aufgeschreckt worden sind Mattil und Greger aber nicht nur durch die bayerischen Ereignisse. In noch viel größere Schwierigkeiten als die BVK ist das Versorgungswerk der Berliner Zahnärztekammer geraten, das mit riskanten Investments mehr als eine Milliarde Euro verloren haben könnte, nahezu die Hälfte der gesamten Kapitalanlagen.
»Wir hoffen, dass keine Katastrophe wie in Berlin auf uns zukommt«, heißt es in Mattils Mitteilung. Die Bayerische Versorgungskammer ist – teils weit über die Grenzen des Freistaats hinaus – für die Altersversorgung mehrerer selbstständiger Berufe zuständig. Dazu zählen neben Anwälten unter anderem Ärzte, Apotheker, Architekten, Ingenieure, Kaminkehrer und Psychotherapeuten.
Außerdem führt die Kammer die Altersversorgung mehrerer staatlicher Einrichtungen, unter anderem des Bayerischen Landtags. Insgesamt sind 2,7 Millionen Menschen bei der BVK versichert. Die Kammer ist eine staatliche bayerische Behörde, die Rechtsaufsicht liegt beim Innenministerium in München.