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Quartalszahlen

Bayer zeigt sich zurückhaltend

Ein schwieriges Geschäft mit US-Landwirten stimmt den Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer für das Gesamtjahr ein wenig vorsichtiger. Der Dax-Konzern bestätigte bei der Vorlage der Zahlen für das zweite Quartal am Dienstag in Leverkusen zwar den Jahresausblick, bezeichnete ihn aber als »zunehmend ambitioniert«. Das Plus im Pharmageschäft konnte dies demnach nur teilweise ausgleichen.
dpa
30.07.2019
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Grund sind eher schwache Agrargeschäfte in den USA, da dort schlechtes Wetter mit Überschwemmungen die Nachfrage der Landwirte nach Saatgut und Unkrautvernichtern der Tochter Monsanto dämpft. Ein deutliches Wachstum des Pharmageschäfts konnte das nur teilweise ausgleichen.

Der Konzern peilt 2019 weiterhin einen Umsatzanstieg auf 46 Milliarden Euro sowie einen Zuwachs des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sonder- und Währungseinflüssen auf 12,2 Milliarden Euro an. Der Aktienkurs geriet am Dienstag dennoch unter Druck und verlor zum Handelsstart deutlich.

Im abgelaufenen zweiten Jahresviertel stieg der Konzernumsatz zwar um mehr als ein Fünftel auf knapp 11,5 Milliarden Euro, das lag aber insbesondere an der Übernahme von Monsanto. Die US-Saatguttochter war vor einem Jahr nur wenige Wochen ins zweite Quartal eingeflossen. Währungseffekte sowie Unternehmenszu- und -verkäufe herausgerechnet stieg der Konzernumsatz um 0,9 Prozent. Das kleine Plus lag vor allem am Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten. Unter dem Strich brach das Konzernergebnis aber um rund die Hälfte auf 404 Millionen Euro ein. Das lag an Kosten für die Integration von Monsanto, Abschreibungen auf die verkaufte US-Fußpflegemarke Dr. Scholl's sowie Aufwendungen für den Konzernumbau, in dessen Zuge viele Tausend Stellen wegfallen. Bayer versucht, den Jobbau auch mit teils hohen Abfindungen umzusetzen.

Zahl der Glyphosat-Klagen steigt weiter rasant

In den USA sieht sich Bayer wegen angeblicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter der Tochter Monsanto immer mehr Klagen gegenüber. Bis zum 11. Juli seien Klagen von rund 18.400 Klägern zugestellt worden, teilte Bayer ebenfalls bei Vorlage des Quartalsberichts mit. Das sind rund 5000 mehr als im April. Die Klagezahl war seit August 2018 nach oben geschnellt, nachdem ein Geschworenen-Gericht einem Krebspatienten hohen Schadensersatz zugesprochen hatte.

Bayer musste bereits drei Prozessniederlagen in den USA hinnehmen. Die Richter reduzierten zwar die von Geschworenen geforderten Strafen deutlich, der im Raum stehende Schadenersatz liegt aber immer noch im teils hohen zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich.

Bayer verweist unter Berufung auf zahlreiche wissenschaftliche Studie weiterhin auf die Sicherheit von Glyphosat bei richtiger Anwendung und geht in allen drei Fällen in Berufung. Das Kalkül dahinter ist, dass die Berufsrichter die Sache in der nächsten Instanz anders einschätzen könnten als die Geschworenen. Die Leverkusener hatten den umstrittenen US-Saatguthersteller Monsanto im vergangenen Jahr für 63 Milliarden US-Dollar übernommen.

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