| Melanie Höhn |
| 05.03.2026 13:30 Uhr |
Auch unter britischen Apothekenmitarbeiterinnen und -mitarbeitern hat die Besorgnis zugenommen: Demnach gaben 73 Prozent von ihnen im Jahr 2025 an, dass die anhaltenden Probleme mit der Medikamentenversorgung die Patienten gefährden. / © Imago Images/imagebroker
Laut der Untersuchung priorisiert die britische Regierung die anhaltenden Medikamentenengpässe nicht als »potenzielles nationales Sicherheitsrisiko«. Wenn Patientinnen und Patienten keinen Zugang zu notwendigen Arzneimitteln hätten, berge dies aber ein »erhebliches Gesundheitsrisiko«, so der Ausschuss »Public Services Committee« des britischen Oberhauses. Er wurde 2020 eingerichtet, um öffentliche Dienstleistungen wie Gesundheit, Bildung, Soziales zu untersuchen und zu prüfen.
Die meisten Wirkstoffe für Medikamente im britischen Gesundheitssystem (NHS) würden in China oder Indien hergestellt. Dadurch seien Patientinnen und Patienten in Großbritannien dem Risiko ausgesetzt, von fragilen globalen Lieferketten abhängig zu sein, die durch dynamische geopolitische Veränderungen, Handelskonflikte oder Naturkatastrophen in diesen Regionen beeinträchtigt werden können, so der Ausschuss weiter.
80 Prozent der vom NHS verschriebenen Medikamente seien Generika, allerdings werde nur ein Viertel dieser Medikamente in Großbritannien hergestellt.
Der Bericht stellte außerdem fest, dass die britische Regierung und NHS zwar eine Schlüsselrolle dabei spielen, die Medikamentenversorgung der Patienten sicherzustellen, es jedoch an Aufsicht und Koordination im Bereich der Medikamentenversorgung mangele.
Auch unter Apothekenmitarbeiterinnen und -mitarbeitern habe die Besorgnis zugenommen: Demnach gaben 73 Prozent von ihnen im Jahr 2025 an, dass die anhaltenden Probleme mit der Medikamentenversorgung die Patienten gefährden.
Der Ausschuss kritisiert zudem das nicht proaktive Handeln seitens der britischen Regierung, um Großbritannien vor fragilen Lieferketten zu schützen. Stattdessen werde sich auf reaktive Maßnahmen konzentriert, wenn bereits Engpässe aufgetreten seien. Außerdem kommuniziere die Regierung Engpässe oder Lösungsansätze nicht effektiv an medizinisches Personal wie etwa die Apotheker- und Hausärzteschaft.
Weiterhin bemängelt der Ausschuss, dass es »kaum Aufsicht oder Führung seitens des britischen Gesundheitsministeriums hinsichtlich der Medikamentenbestände und der potenziellen Risiken für kritische Medikamente, deren Fehlen erhebliche Auswirkungen auf die Patienten hätte«, gibt.
Die Regierung müsse anerkennen, dass Arzneimittelsicherheit ein nationales Sicherheitsthema sei und entsprechend behandelt werden müsse, erklärte der Ausschuss. Desweiteren müsse die Regierung die Informationsweitergabe über Engpässe an Apotheken, Ärzte und Krankenhäuser verbessern, die Arzneimittelversorgung in das Nationale Risikoregister aufnehmen und durch regelmäßige Krisenübungen absichern.
Zudem forderte der Ausschuss eine verantwortliche Führungsperson, die die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette koordiniert und überwacht. Eine weitere Forderung ist die Stärkung der inländischen Produktion von Generika und Wirkstoffen und die engere Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie. Der Ausschuss empfiehlt der Regierung, eine Liste kritischer Arzneimittel zu veröffentlichen, die als Grundlage für die Planung der britischen Produktion, die Auswahl potenzieller Medikamente für die Bevorratung und die Vertragsverhandlungen dienen soll. »Die Regierung sollte darlegen, wie sie die Versorgungssicherheit mit den auf der Liste aufgeführten Arzneimitteln verbessern will«, verdeutlichte der Ausschuss abschließend.