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Infektionen erhöhen kardiovaskuläres Risiko

22.12.2015  09:13 Uhr

Von Christina Hohmann-Jeddi / Eine Herpes-zoster-Infektion, auch Gürtelrose genannt, erhöht vorübergehend das Risiko, einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Das ergab eine Analyse von Wissenschaftlern um Dr. Caroline Minassian von der London School of Hygiene and Tropical Medicine, die nun im Fachjournal »PLOS Medicine« erschien (DOI: 10.1371/journal.pmed.1001919).

In der Vergangenheit hatten bereits einige Studien auf einen solchen Zusammenhang hingewiesen. Um die Hypo­these zu testen, verglichen die Forscher nicht Erkrankte mit Gesunden, sondern vielmehr verschiedene Zeiträume bei einer Patientengruppe, die beide Diagnosen erhalten hatten: Gürtelrose und ein kardiovaskuläres Ereignis. Aus einem Datensatz der öffentlichen Krankenversicherung Medicare in den USA konnten die Forscher insgesamt 43 000 Über-65-Jährige identifizieren, die in einem Zeitraum von fünf Jahren sowohl Gürtelrose als auch einen Schlaganfall erlitten hatten. Zudem konnten sie die Daten von etwa 24 000 Patienten mit Gürtelrose und Herzinfarkt auswerten.

Daraus errechneten sie, zu welchem Zeitpunkt das Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis am höchsten war. Das Ergebnis: In der Woche nach einer Herpes-zoster-Diagnose war das Risiko für einen Schlaganfall um das 2,4-Fache und für einen Herzinfarkt um das 1,7-Fache erhöht im Vergleich zu dem Zeitraum vor der Infektion. Danach sank das Risiko kontinuierlich ab und erreichte nach einem halben Jahr Ausgangsniveau.

 

Die pathogenetischen Zusammenhänge sind noch unklar. Den Forschern zufolge könnte eine durch die Infektion bedingte Entzündungsreaktion die Bildung von arteriellen Thromben fördern. Zudem könnten Stress und Schmerzen bei Gürtelrose-Patienten den Blutdruck erhöhen. Eine dritte Möglichkeit ist, dass das Virus eine Vaskulopathie bedingen könnte.

 

Auch andere Infektionen, vor allem akute Atemwegsinfektionen, werden mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse in Zusammenhang gebracht. Hierzu passt eine aktuelle Publikation aus dem Fachjournal »Neurology« (DOI: 10.1136/jnnp-2014-309236. 209). Dieser zufolge ist HIV-Infektion die häufigste Ursache für Schlaganfälle bei jungen Erwachsenen in Afrika. In einer Fallkontroll-Studie mit 222 Schlaganfall-Patienten aus Malawi und 503 Kontrollpersonen ermittelten Dr. Laura Benjamin und Kollegen von der Universität Liverpool, dass HIV-Infektionen für 42 Prozent der Schlaganfälle bei jungen Erwachsenen (unter 45 Jahren) verantwortlich waren. /

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