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Wussten sie schon, dass ...?

19.12.2017  14:38 Uhr

Wussten sie schon, dass ...?

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Annette Mende / Männer, die sich beim leichtesten Anflug einer Erkältung mit lautem Gejammer für Tage aufs Sofa zurückziehen, sehen sich oft dem beißenden Spott ihres weiblichen Bekanntenkreises ausgesetzt. »Er hat halt Männergrippe«, heißt es dann, was so viel heißt wie: »Eigentlich geht es ihm gar nicht so schlecht, er stellt sich bloß furchtbar an.« Der Begriff ist mittlerweile so gebräuchlich, dass er beziehungsweise seine englische Entsprechung Man Flu es sogar ins altehrwürdige Oxford Dictionary geschafft hat. Dort wird die Männergrippe definiert als »eine Erkältung oder ein ähnliches geringfügiges Leiden« eines Mannes, der die Schwere der Symptome offenbar übertreibt.

 

Dr. Kyle Sue, ein Professor für Fami­lienmedizin an der University of Newfoundland in Kanada, war es satt, in seiner Eigenschaft als Mann pauschal der Übertreibung bezichtigt zu werden. Er durchsuchte die wissenschaftliche Literatur nach Beweisen dafür, dass Männer unter einem grippalen Infekt oder der Grippe tatsächlich stärker leiden als Frauen. Das Ergebnis seiner Recherche veröffentlichte er in der Weihnachtsausgabe des »British Medical Journal«, traditionell ein Sammelsurium nicht ganz ernst gemeinter Beiträge in wissenschaftlichem Gewand (DOI: 10.1136/bmj.5560).

 

Sowohl diverse Studien mit Mäusen als auch – man höre und staune – mit Zellkulturen hätten gezeigt, dass das weibliche Immunsystem stärker auf eine Grippeinfektion reagiert als das männliche, schreibt Sue. Der Grund dafür seien die Sexualhormone: Estrogen fördere die Immunabwehr, Testosteron dagegen hemme sie. Zudem zeigten epidemiologische Daten aus Hong Kong und den USA, dass Männer häufiger als Frauen aufgrund einer Influenzaerkrankung stationär behandelt werden müssen und sterben. »Das Konzept Männergrippe«, das dem angeblich starken Geschlecht Jammerei unterstellt, sei daher »möglicherweise ungerecht«.

 

Evolutionär gesehen habe die Tatsache, dass Männer unter einer Erkältung oder Grippe mehr leiden als Frauen aber durchaus ihren Vorteil, so Sue weiter. Auf der Couch oder im Bett zu liegen und sich pflegen zu lassen, reduziere die Wahrscheinlichkeit, draußen einem Feind zu begegnen. Ob ausgerechnet dieses Argument dazu dienen wird, das Image des erkälteten Mannes vom Jammerlappen zu korrigieren, muss bezweifelt werden. Hierzulande mögen Männer sich damit trösten, dass die Männergrippe im Duden (noch) nicht vorkommt. Allerdings fragt die Online-Version des Nachschlagewerks bei Eingabe des Begriffs freundlich: »Meinten Sie Hühnergrippe?« Alles in allem also nur ein schwacher Trost. /

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