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Lieferengpässe bei Antibiotika

Resistenzen befürchtet

21.12.2016
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Von Daniela Hüttemann / In China ist eine Fabrik explodiert, die einen Großteil der weltweit verfügbaren Mengen wichtiger Antibiotika verarbeitet. Eine oft eingesetzte Wirkstoff­kombination ist nun international kaum noch verfügbar.

Die Kombination des Penicillin-Antibiotikums Piperacillin und des β-Lactamase-Hemmers Tazobactam wirkt im Gegensatz zu vielen anderen Antibiotika auch gegen gramnegative Bakterien. »Diese Wirkstoffkombination wird wegen ihres breiten Wirkspektrums bei verschiedenen schweren Infek­tionen – auch Krankenhausinfektionen – eingesetzt und ist ein hoch wirksames und unentbehrliches Medikament«, sagte Professor Winfried Kern, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) in einer gemeinsamen Erklärung mit dem Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA).

Gerade bei Antibiotika komme es immer wieder zu Lieferengpässen, zuletzt unter anderem bei Präparaten mit Daptomycin und Ampicillin/Sulbactam, berichtete die DGI. Infektiologen und Krankenhausapotheker sehen die Patientensicherheit in Gefahr und warnen vor vermehrten Resistenzen. Es sei dringend erforderlich, wirksame Strategien zu entwickeln, um die Bereitstellung lebenswichtiger Medikamente zu garantieren.

 

»Oftmals müssen wir auf Antibiotika mit unnötig breitem Wirkspektrum zurückgreifen«, sagte Katja de With, Sprecherin der Sektion Antibiotic Stewardship der DGI. »Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich immer weitere, kaum noch zu behandelnde Resistenzen ausbilden.« Auch sei unter Umständen mit schlechterer Wirksamkeit und mehr Nebenwirkungen zu rechnen.

 

»Ein Grund ist der extreme Preiswettbewerb, der vor allem bei generisch verfügbaren Wirkstoffen vorherrscht«, erklärte Privatdozent Martin Hug, Mitglied des Ausschusses Antiinfektive Therapie des ADKA. »Pharmazeutische Unternehmen verlagern die Produktion deshalb oft in Schwellenländer, die aber nicht über die hiesigen Sicherheitsstandards verfügen und deshalb anfälliger sind für Produktionsprobleme.« Ein weiterer Grund für Lieferprobleme sei die Konzentration der Roh- und Wirkstoffproduktion in den Händen von immer weniger Anbietern. Auch die weltweit steigende Nachfrage nach bestimmten Antibiotika sei Ursache für regelmäßig auftretende Engpässe.

 

Masterplan nötig

 

Zwar entwickeln Infektiologen und Klinikapotheker gemeinsam Strategien, um die sichere und wirksame Behandlung von Patienten bei Antibiotika-Lieferengpässen sicherzustellen. »Darüber hinaus benötigen wir dringend einen Masterplan, um der Problematik als solcher zu begegnen – und hier sind vor allem Politik und Industrie gefragt«, so der Ausschussvorsitzende Matthias Fellhauer. Als ersten Schritt fordert die ADKA für die Pharmaindustrie eine verbindliche Meldepflicht bei Lieferengpässen. Die Information komme derzeit häufig erst, wenn keine Ware mehr vorhanden sei, so der Verband. /

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