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Brustkrebs

Auch neuere Pillen erhöhen das Risiko

13.12.2017
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Von Annette Mende / Frauen, die mit kombinierten oralen Kontra­zeptiva verhüten, haben ein 20 Prozent höheres relatives Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, als Frauen, die diese nicht ­einnehmen. Betroffen sind auch moderne Pillen mit niedrigem ­Estrogen-Gehalt sowie estrogenfreie Präparate.

Das erhöhte Brustkrebs-Risiko durch die Einnahme der Pille zeigt eine nationale prospektive Kohortenstudie aus Dänemark, über die ein Autorenteam um Dr. Lina Mørch von der Universität Kopen­hagen jetzt im »New England Journal of Medicine« berichtet (DOI: 10.1056/NEJMoa1700732).

Insgesamt ist das Risiko in der untersuchten Altersgruppe bis 49 Jahren aber so niedrig, dass absolut nur wenige Frauen mehr an Brustkrebs erkranken als ohne die Pille. Die Forscher selbst und auch der Epidemiologie-Professor Dr. David J. Hunter von der Universität Oxford, der die Studie in einem Editorial kommentiert, betonen deshalb, dass der potenzielle Schaden durch die Verhütungsmittel gegen ihren teils erheblichen Nutzen abgewogen werden muss.

 

Bevölkerungsbasierte Studie

 

Für die Auswertung konnten die Daten von 1,8 Millionen 15- bis 49-jährigen Frauen in Dänemark herangezogen werden, die im Schnitt 10,9 Jahre lang beobachtet wurden. Verglichen mit Teilnehmerinnen, die nie orale Kontrazeptiva angewendet hatten, war bei Frauen, die aktuell oder früher die Pille eingenommen hatten, ein relatives Brustkrebs-Risiko von 1,2 zu verzeichnen, also ein 20-prozentiger Risiko­anstieg. Das Risiko erhöhte sich mit der Dauer der Einnahme von 1,09 bei einer Anwendungsdauer unter einem Jahr bis auf 1,38 bei mehr als zehnjährigem ­Gebrauch. Nach dem Absetzen der Hormonpräparate sank das Risiko schnell wieder, außer bei Frauen, die die Pille insgesamt mindestens fünf Jahre lang eingenommen hatten. Bei ihnen blieb es nach dem Einnahmestopp fünf Jahre lang erhöht.

 

Die Anwendung von Intrauterin­systemen auf Progesteron-Basis war mit einem ähnlichen Risikoanstieg assoziiert wie die Einnahme der Pille (1,21). Insgesamt gab es durch die Anwendung eines beliebigen hormonellen Verhütungsmittels 13 zusätzliche Brustkrebs-Fälle pro 100 000 Personenjahre. Von 7690 Frauen, die ein Jahr lang mit Hormonen verhüteten, erkrankte also eine zusätzlich an Brustkrebs.

 

Dass orale Kontrazeptiva mit Estrogen-Komponente das Brustkrebsrisiko erhöhen, war schon früher gezeigt worden. Allerdings war Estrogen in früheren Generationen der Pille deutlich höher dosiert als in heutigen (siehe Kasten). Zudem werden heute andere Progesterone verwendet als früher. Ein Verdienst dieser Studie ist daher, dass sie zeigt, dass auch moderne Pillen mit einem erhöhten Brustkrebs-Risiko assoziiert sind, schreibt Hunter (DOI: 10.1056/NEJMe1709636).

 

Im Kontext betrachten

 

Er ruft jedoch dazu auf, den gezeigten Risikoanstieg im Kontext zu betrachten. Frauen könnten von der Einnahme der Pille nicht nur deshalb profitieren, weil sie eine sichere Verhütungsmethode darstellt. Auch bei schmerzhaften und verlängerten Regelblutungen biete die Einnahme Vorteile. Zudem habe in anderen Studien gezeigt werden können, dass die Anwendung der Pille das Risiko für eine spätere Eierstock-, Gebärmutter- und Darmkrebs-Erkrankung senkt. Einigen Berechnungen zufolge sei eine mindestens fünfjährige orale Kontrazeption unter dem Strich sogar mit einem Rückgang des Krebs­risikos verbunden. /

Eine Pille – vier Generationen

Die Antibabypille gibt es mittlerweile in vier Generationen. Das Estrogen ist immer Etinylestradiol, es variiert jedoch in seiner Konzentration. In der ersten Generation war der Estrogenanteil noch sehr hoch. Da eine hohe Estrogendosis mit einem erhöhten Thromboserisiko korreliert, finden sich ab der zweiten Generation deutlich geringere Dosierungen. In der zweiten, dritten und vierten Generation werden zudem jeweils verschiedene Gestagene verwendet:

 

  • Erste Generation: Norethisteron
  • Zweite Generation: Levonorgestrel
  • Dritte Generation: Norgestimat, Gestoden, Desogestrel, Etonogestrel
  • Vierte Generation: Drospirenon, Cyproteron, Chlormadinon, Dieno­gest, Nomegestrol

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