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ABDA-Mitgliederversammlung

Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt

10.12.2013  18:03 Uhr

Von Daniel Rücker, Berlin / Bei der ersten Mitglieder­versammlung der ABDA nach der Bundestagswahl ging es natürlich um die Gesundheitspolitik der möglichen neuen Koalition. Zur finalen Abstimmung stand zudem der Entwurf zur Verbandscompliance. Am längsten diskutierten die Vertreter der Mitgliedsorganisationen allerdings Anträge der Landes­apothekerkammer Brandenburg.

Die Anträge aus Brandenburg hatten im Vorfeld des Apothekertags im September schon zu einigem Wirbel in den Mitgliedsorganisationen geführt. Fast 20 Änderungswünsche zur Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO) hatte damals die Kammer formuliert. Bei den meisten anderen Organisationen der Apothekerschaft kam dies nicht sonderlich gut an. Sie hatten die Sorge, dass eine neuerliche Überarbeitung der Apothekenbetriebsordnung mehr Schaden als Nutzen stiften würde, auch wegen des Zeitpunktes kurz nach der Bundestagswahl. Deshalb votierten die Delegierten mehrheitlich dafür, die Anträge in einen Ausschuss zu verweisen.

 

Barrierefreiheit mit Augenmaß

 

Bei der letzten Mitgliederversammlung der Bundesapothekerkammer im November stimmten die meisten Vertreter der Kammern dafür, die Anträge nicht weiter zu verfolgen. Eine endgültige Entscheidung musste aber die Mitgliederversammlung der ABDA treffen. Das Ergebnis dieses Prozesses war eindeutig: Nur zwei Anträge aus Brandenburg werden jetzt noch weiterverfolgt: Der Leitantrag L3 für Barrierefreiheit mit Augenmaß in Apotheken, an dem auch die Apothekerkammer Nordrhein beteiligt war und der Antrag 3.1.9, nach dem es in Zukunft wieder erlaubt werden soll, Schmerzpumpen zu befüllen. In Teilen wird auch der Antrag 3.1.17 weiterverfolgt, wonach Digitalis-Antitoxin aus dem Notfall-Depot herausgenommen werden soll. Keine Mehrheit gab es dagegen dafür, die C1-Esterase-Inhibitoren wie im ursprünglichen Antrag vorgesehen aus dem Depot zu verbannen.

 

Die Diskussion über die Anträge war zwar sehr intensiv. Es war den Diskutanten durchaus anzumerken, dass hier bereits die dritte Runde stattfand. Gleichzeitig verlief die Diskussion aber sehr sachlich. In den Abstimmungen gab es auch immer wieder Mitgliedsorganisa­tionen, die mit der Kammer Brandenburg abstimmten. Insgesamt war aber in den meisten Fällen die Mehrheit gegen eine Weiterverfolgung der Anträge deutlich.

 

Zu Beginn der ABDA-Mitgliederversammlung hatte Präsident Friedemann Schmidt ein positives, wenn auch nicht euphorisches Bild von den schwarz-roten Koalitions­ver­hand­lungen gezeichnet. »Revolutio­näre Veränderungen wird es nicht geben«, fasste Schmidt zusammen. Es werde keine Bürgerversicherung geben, das Fremd- und Mehrbesitzverbot bleibt bestehen und im Koalitionsvertrag steht ein klares Bekenntnis zur Arzneimittelversorgung durch freiberufliche Apotheker. »Unsere Beharrlichkeit in dieser Sache hat sich ausgezahlt«, kommentierte Schmidt den letzten der drei Punkte.

 

Sorgen bereitet dem ABDA-Präsidenten jedoch ein Trend zu mehr angestellten Ärzten. So hätten Union und SPD vereinbart, dass sich Krankenhäuser stärker an der ambulanten Versorgung beteiligen sollen. Außerdem fördere die Bundesregierung die Medizinischen Versorgungszentren. Aus Sicht der Apotheker sei dies keine gute Entwicklung, kritisierte Schmidt. Eine flächendeckende Versorgung ausschließlich über niedergelassene Ärzte sei das optimale Pendant zur Arzneimittelversorgung über öffentliche Apotheken.

 

Eine wesentliche Aufgabe für das kommende Jahr ist laut Schmidt die Fortentwicklung des Leitbildes. Hieran will die ABDA mit Hochdruck arbeiten. Auf dem Deutschen Apothekertag im September 2014 soll das Leitbild verabschiedet werden. Bis dahin sollen möglichst viele Apotheker die Möglichkeit bekommen, sich an dem Prozess zu beteiligen.

 

So wird im Februar 2014 für drei Wochen eine Website eingerichtet, auf der alle Apotheker ihre Meinung abgeben können. Die Kommentare werden im nächsten Schritt von den Landesapothekerkammern ausgewertet und dann noch vor Ostern auf einer Großveranstaltung in Berlin von den Vertretern der Mitgliedsorganisationen diskutiert. Dort soll ein Rohentwurf des Leitbildes erstellt werden, aus dem dann von einem kleineren Kreis ein weitgehend fertiges Leitbild entwickelt wird. Über dieses soll auf der ABDA-Mitgliederversammlung im Juni abgestimmt werden. Schließlich muss dann noch im Herbst die Hauptversammlung des Deutschen Apothekertages ihr Plazet geben. /

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