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Psoriasis

Erster Interleukin-23- Inhibitor verfügbar

06.12.2017  10:30 Uhr

Von Daniela Hüttemann, Norderstedt / Ab sofort steht Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Schuppenflechte eine weitere Therapieoption zur Verfügung. ­Mit Guselkumab (Tremfya® von Janssen-Cilag) ist der erste selektive Interleukin-23-Inhibitor auf den europäischen Markt gekommen.

Zugelassen ist Guselkumab als Erst­linientherapie für erwachsene Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis, die für eine systemische Behandlung infrage kommen. Die empfohlene Dosis beträgt 100 mg als subkutane Injektion in den Wochen 0 und 4 gefolgt von einer Erhaltungsdosis alle acht Wochen. Dem Hersteller zufolge ist das Präparat bereits lieferbar. Der Antikörper steht als Fertigspritze zur Verfügung, die die Patienten nach einer Schulung selbst anwenden können.

»Die Daten aus den Zulassungsstudien sind die besten, die ich bislang bei einem Psoriasis-Mittel gesehen habe«, kommentierte der Hamburger Dermatologe und Immunologe Professor Dr. Kristian Reich auf der vom Hersteller ausgerichteten Launch-Pressekonferenz. Nach 24 Wochen erreichten mehr als 80 Prozent der mit Guselkumab behandelten Patienten eine Verbesserung ihres Hautbilds um 90 Prozent (PASI 90). In der Vergleichsgruppe mit Adalimumab (Humira®) klappte das nur bei 53 Prozent. Der ­Effekt hielt bei fortlaufender Therapie an: 82,1 Prozent der Patienten erreichten einen PASI 90 nach 100 Wochen, fast jeder zweite Proband (49 Prozent) war sogar erscheinungsfrei (PASI 100).

 

Bessere Lebensqualität

 

Zudem verbesserte sich die Lebensqualität der Probanden unter Guselkumab deutlich stärker als unter Adalimumab. So fühlten sich 60,9 Prozent der Probanden unter Guselkumab nicht mehr eingeschränkt gegenüber 39,5 Prozent unter Adalimumab. Die Verträglichkeit war gut. Am häufigsten kam es zu ­Nasopharyngitis, Infektionen der oberen Atemwege und Kopfschmerzen. Schwere unerwünschte Arzneimittelwirkungen wie schwere Infektionen oder kardiovaskuläre Ereignisse traten bei weniger als 1 Prozent der Behandelten auf und waren vergleichbar häufig wie unter Adalimumab.

 

»Viele Ärzte nehmen die Schuppenflechte noch nicht als schwere chronische Erkrankung des gesamten Körpers wahr«, sagte Dr. Andreas Pinter, Derma­tologe am Universitätsklinikum Frankfurt am Main. Dabei komme es bei der Psoriasis zu einer systemischen, chronischen Entzündungsreaktion, die unbehandelt wie ein Schwelbrand wirke. Eine zentrale Rolle spielen dabei den­dritische Zellen, die durch das Zytokin ­IL-23 zahlreiche Th17-Zellen aktivieren. Diese wiederum bringen vor allem über IL-17 die Keratinozyten dazu, sich stärker als normal zu vermehren, was zu den typischen Psoriasis-Plaques führt. Reich und Pinter bezeichneten IL-23 als Masterzytokin. Sie vermuten, dass sich durch seine Hemmung auch die Entwicklung von Komorbiditäten wie ­Psoriasis-Arthritis verzögern lässt. Hersteller Janssen-Cilag untersucht derzeit die Wirksamkeit von Guselkumab auch in dieser Indikation.

 

Deutschland unterversorgt

 

»Dank der vielen neuen Behandlungsmöglichkeiten der vergangenen Jahre können wir Schuppenflechte mittlerweile so gut behandeln wie kaum eine andere Hauterkrankung«, sagte Reich. Allerdings herrsche derzeit in Deutschland noch eine deutliche Unterversorgung mit den hochwirksamen, aber auch sehr hochpreisigen Biologika. Nicht nur aufgrund des hohen Leidensdrucks der Patienten, sondern auch ­wegen des hohen Risikos für Komorbiditäten mit schweren Folgen wie Gelenk­deformationen oder kardiovaskulären Ereignissen sei eine ausreichende systemische Behandlung jedoch wichtig, betonte Pinter. /

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