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Krebs

Mehr Neuerkrankungen, größere Überlebenschancen

30.11.2016  10:03 Uhr

dpa / Die Zahl der Krebs-Neuerkrankungen in Deutschland hat sich seit 1970 fast verdoppelt – auf etwa 482 500 Erkrankungen im Jahr 2013. Das geht aus dem »Bericht zum Krebsgeschehen in Deutschland« des Zen­trums für Krebsregisterdaten (ZfKD) am Robert-Koch-Institut (RKI) hervor, der nun erschienen ist.

 

Doch die Überlebenschancen sind heute deutlich besser, weshalb Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) Fortschritte beim Kampf gegen Krebs sieht. »Dank unserer guten Gesundheitsversorgung leben Menschen nach einer Krebsdiagnose heute deutlich länger als vor zehn Jahren«, erklärte Gröhe zur Veröffentlichung des Berichts in Berlin.

 

Begründet wird der starke Anstieg der Neuerkrankungen mit der demografischen Entwicklung: Bei vielen Krebsarten steigt das Erkrankungsrisiko mit dem Alter. Rechne man den Altersaspekt heraus, so sei bei einigen Krebsarten in den vergangenen Jahren eine Trendwende zu beobachten, schreiben die Experten.

Verbessert hat sich die Situation etwa bei Lungenkrebs bei Männern und bei Prostatakrebs. Während beim Lungenkarzinom angenommen wird, dass dies mit dem Rückgang des Rauchens zu tun hat, sehen die Fachleute bei Prostatakrebs eine geringere Erfassung als ausschlaggebend an. Umgekehrt bei Brustkrebs: Die Daten deuten laut Bericht auf einen Rückgang von Diagnosen fortgeschrittener Tumore bei Frauen durch das Mammografie-Screening hin.

 

In mehr als 200 000 Fällen war Krebs 2013 Ursache für Arbeitsunfähigkeit, bei jedem achten Pflegefall die Begründung für die Pflege. In Deutschland leben heute rund vier Millionen Menschen, die in ihrem Leben schon an Krebs erkrankt sind. Die Überlebenschancen variieren je nach Krebsart, Diagnose-Zeitpunkt und anderen Faktoren. Menschen, die an Krebs sterben, werden heute im Mittel etwa 74 Jahre alt – sie leben damit vier Jahre länger als noch 1980, erklärte RKI-Präsident Professor Dr. Lothar Wieler. Patienten mit Bauchspeicheldrüsen- oder Leberkrebs haben dem Bericht zufolge schlechtere Chancen als zum Beispiel jene mit Hodenkrebs. »Die Erfolge bei der Krebsbekämpfung haben inzwischen auch zum Anstieg der Lebenserwartung beigetragen«, so Wieler.

 

Individuelles Risiko

 

Viele Krebserkrankungen lassen sich mit gesundem Lebensstil vermeiden, betonte Gröhe. Risikofaktoren, die im Bericht genannt werden, sind unter anderem Alkohol- und Tabakkonsum, starkes Übergewicht und Bewegungsmangel sowie UV-Strahlung. Dem Auftreten bösartiger Tumore in größerem Umfang ist laut Angaben nur bei wenigen Krebsarten mittels früher Diagnose und Therapie beizukommen. Dazu zählten Gebärmutterhals- und Darmkrebs.

 

Eine Grundlage des Berichts sind die bevölkerungsbezogenen Krebsregister der Bundesländer, mit denen seit 2009 flächendeckend Daten erhoben werden. Diese Register sind nicht zu verwechseln mit den sogenannten klinischen Krebsregistern, die künftig Aufschluss über den Ablauf von Behandlungen geben sollen. /

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