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Opioide

Impfung schützt Mäuse vor Überdosis

30.11.2016
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Von Daniela Hüttemann / US-amerikanische Forscher haben zwei Impfstoffe entwickelt, die die Wirkung von Oxycodon und Hydrocodon im Tierversuch abschwächen. Die geimpften Mäuse überlebten sogar zum Teil eine sonst tödliche Dosis der Opioide, berichtet das Team vom The Scripps Research Institute im Fachjournal »ACS Chemical Biology« (DOI: 10.1021/acschembio.6b00977). »Der Schutz vor einem Tod durch Überdosis war unerwartet, aber hat offensichtlich einen enormen potenziellen klinischen Nutzen«, so Seniorautor Professor Dr. Kim D. Janda.

 

Die Wissenschaftler koppelten eine typische Opioid-Struktur als Hapten an ein größeres Molekül, das die Immunabwehr auslösen kann. Durch die Impfung lernt das Immunsystem, die Arzneistoffe zu neutralisieren, noch bevor sie die Blut-Hirn-Schranke passieren. Damit können die Opioide nicht mehr ihre schmerzlindernde, dämpfende und euphorisierende Wirkung im Gehirn entfalten. Der Kick bleibt aus. Die Impfung soll Drogenmissbrauch verhindern.

 

Zuvor geimpfte Mäuse zeigten bei Opioid-Gabe nicht die gewöhnlichen Symptome wie das Ignorieren von Schmerzen und Unbehagen. In einem gewissen Maß schützte die Impfung auch vor einer Überdosis. Zwar starben auch einige Versuchstiere bei Applikation einer letalen Opioiddosis, doch entfaltete sich die Toxizität langsamer als bei ungeimpften Tieren. Wirkt die Impfung auch bei Menschen, könnte sie das Zeitfenster verlängern, das bei einer Überdosis für medizinische Hilfe besteht.

 

Der Effekt hielt über die gesamte Studiendauer von 60 Tagen an. Allerdings bleiben auch die gebundenen, neutralisierten Opioide über lange Zeit im Körper. Dieser Effekt müsse näher untersucht werden, so die Forscher. /

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